Weihnachten in Tansania

Samstag, 27.12.2014

Von drauß vom Walde komm' ich her;

Ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!

Allüberall auf den Tannenspitzen

Sah ich goldene Lichtlein sitzen 

Dies alles durfte ich dieses Weihnachten hier in Tansania vermissen. In den Adventswochen erinnerte nichts als ein dürftiger Adventskranz in der Kirche an das bevorstehende Fest. Alles war äußerst ungewohnt. Jeder ging bis zum Heiligabend seiner üblichen Arbeit nach (ist hier genauso, viele müssen an Heilig Abend auch arbeiten) und auch das Klima war nahezu unerträglich heiß. Ich vermisste den Schnee, der hier leider nur auf dem Kilimanjaro zu finden ist, die weihnachtliche Dekoration zuhause, auf den Straßen und in den Geschäften, das Plätzchenbacken, aber auch das gemütliche Zusammensitzen mit der Familie im beheizten Wohnzimmer während Väterchen Frost sein Unwesen treibt und eben all die anderen Dinge die Weihnachten überhaupt zu einem richtigen Weihnachten machen.

Bereits seit dem 5.Dezember hatten die großen, fünfwöchigen „Sommerferien“, was ebenso sehr ungewohnt für mich war, begonnen. Auch die Massai-Mädchen waren nach Hause ausgeflogen. Es war alles sehr ruhig und in gewisser Weise auch langweilig. Für meine Schüler waren die Ferien wohl eher weniger langweilig, denn sie durften trotzdem nahezu jeden Tag in der Schule sowohl zum Putzen als auch zur Pflegen des Gartens erscheinen. Trotz der Ferien waren weder faulenzen noch ausschlafen für mich im Programm: Während meiner Ferien half ich in der Küche meiner Einsatzstelle. Zusätzlich gab ich den Geschwistern Sophia und Jemsi ein wenig Nachhilfe. Das Schicksal meinte es nicht gut mit ihnen. Ihre Eltern, beide Alkoholiker, hatten die beiden bei ihrer Großmutter abgesetzt und waren verschwunden. Bis heute verliert sich jede Spur von ihnen im Sand. Die Großmutter wie auch der Rest der Familie sind so arm, dass sie Sophia und Jemsi niemals einen Schulbesuch ermöglichen hätte können. Schwester Feliciana, die den Kindergarten leitet, nahm sich der beiden an und suchte nach Sponsoren, die ihnen ermöglichen in die Medium School zu gehen.

Jeden Donnerstag begleite ich Akwilina, eine junge Schwester, zum Markt nach Mwanga, um auch etwas anderes zu sehen als das Kisekibaha. So verging die vorweihnachtliche Zeit im Fluge und nichts erinnerte mich wirklich an eine besinnliche Weihnachtszeit. Jeder verblieb vielmehr in seinem gewohnten Arbeits-Trott.

Der erste vorweihnachtliche Bote erlangte mich dann doch am 22.Dezember durch ein Päckchen aus Deutschland. Weihnachten mit Schokolade, einer kleinen Krippe und einem Adventskalender. Auch wenn es erst spät ankam war die Freude trotzdem groß. Nachdem mein Zimmer nun zumindest etwas weihnachtlich geschmückt war, verspürte man erste Funken von Weihnachten. Endlich.

Trotz alledem glaubte ich jedoch, dassWeihnachten in Tansania nicht wirklich ein Highlight werden wird, weshalb ich beschlossen hatte für die Festtage Marmorkuchen zu backen. Das war nicht einmal so leicht, denn Rührmaschinen gibt es hier nicht. Zusammen mit Desterata und Klementina, beide „Novizinnen“ in meinem Alter, begannen wir die zweistündige Küchenschlacht, wobei wirjede Menge Spaß hatten.

 Unser Marmorkuchen

Doch mit der Annahme, dass Weihnachten hier nicht besonders gefeiert wird, hatte ich mich getäuscht.

Bereits am frühen Morgen des 24. Dezembers waren die Vorbereitungen auf Hochtouren. Die Kirche sowie der Speiseraum wurden jeweils mit einer Krippe, die äußerst kitschig mit Girlanden, die eher zur Fastnacht gepasst hätten und bunten Blinklichtern dekoriert wurden, „verschönert“. In der Küche brach hingegen Chaos aus. Glücklicherweise war pünktlich zum Weihnachtsfest der Strom, den wir über eine Woche am Stück missen mussten, zurückgekehrt, wasalles deutlich erleichterte. Die einen bereiteten Mandazi“ (ein landestypisches Gebäck), die anderen unser Mittagessen und wieder andere Chapati“ und einige anderer tansanischen Spezialitäten zu. So war es bis zum späten Abend hektisch in dem kleinen Grail Kisekibaha.

Um 22 Uhr fand dann die Christmette in der Outstation statt. Natürlich war ich da schon richtig müde, doch Weihnachten ohne eine Christmette ist eben kein richtiges Weihnachten. So dachte wohl nicht jede der Schwestern. Nur wenige der Schwestern gingen mit mir zur Messe, was ich sehr komisch fand. Der Gottesdienst (ansonsten zu oft Messe in schneller Abfolge) ging zum Glück nicht wie befürchtet einen Ewigkeit, sondern „nur“ eineinhalb Stunden, in der sich wohl jeder einmal ein kurzes Schläfchen gönnte. Doch nach dem Gottesdienst ging nicht jeder sofort ins Bett, sondern es wurde erst einmal bis spät in die Nacht getanzt, Soda getrunken und Mandazi verspeist.

Im Gegensatz zu Heiligabend ist der erste Weihnachtsfeiertag für die Tansanier von größerer Bedeutung. Wie auch aus Deutschland gewohnt beginnt der erste Weihnachtsfeiertag mit dem Besuch der Messe nach einem ausgiebigen Frühstück. Es war komisch, denn bereits seit dem Vortag war das Tor zu unserem Gelände verschlossen. Dies hinderte uns dann auch auf normale Art und Weise hineinzukommen, weshalb wir unsere tollkühnen Kletterkünste auspacken mussten. Erst nach mehrmaligem Nachfragen erzählten mir die Schwestern, dass unsere Gegend vor allem über die Weihnachtstage nicht sehr sicher vor Einbrüchen ist, weshalb die Tore verriegelt werden müssen. Es war ein komisches Gefühl für mich, so etwas zu hören, denn eigentlich fühlte ich mich immer sicher hier, was man hier zulande eigentlich nicht immer ist. Den restlichen Tag über bis zum Abendessen ruhten wir uns von Heiligabend aus, was bitter nötig war.

Zum Abendessen wurde ein üppiges Buffet aufgetischt. Doch damit war es nicht getan. Zu meinem Marmorkuchen gab es auch noch Zitronenkuchen, Mandazi sowie Erdnüsse und Unmengen an Soda. Heute war auch der Tag der Bescherung. Alle Geschenke waren um die Krippe gelegt und wurden nun auch verteilt. In Tansania fallen die Weihnachtsgeschenke nicht so üppig aus, wie man es wohl von zu Hause gewohnt ist. Hier wird das verschenkt, wenn überhaupt, was nützlich ist. So gab es für jede Schwester mit Ausnahme der Oberinnen Zahnpasta,in buntem Glitter-Papier eingepackt. Für mich gab es etwas genauso nützliches, nämlich einen giftgrünen Unterrock. In den Augen der Schwestern sollte man immer einen tragen, weil man ja durch jeden erdenklichen Stoff durchsieht, was ich jedoch oftmals bezweifle. Anschließend wurden ausgelassen traditionelle Stammestänze z.B. der Pare, Shagga, Massai, Sukuma,... getanzt. So ging es bis in die Nacht hinein.

Unser Christkind Akwilina trägt ganz schön schwer Für jeden ist etwas dabei :)

Und am nächsten Morgen war es auch wieder nicht möglich auszuschlafen. Wie jeden Tag musste man pünktlich um 6 Uhr aus den Federn sein, egal ob man nur wenige Stunden an Schlaf hat oder nicht. Nichts desto trotz ging es zuerst wieder in den Gottesdienst. Am „Boxing Day“ war es noch viel ruhiger, denn alle Schwestern waren ausgeflogen um ihre Weihnachtsbesuche bei der Familie, Mitschwestern oder Bekannten zu erledigen. Für mich persönlich war es wieder ein Tag der Ruhe, jedenfalls am Vormittag. Am Abend sollte wieder gefeiert werden, daher konnte man jede Hilfe in der Küche gut gebrauchen. Wie auch am Vorabend wurde auf dieselbe Art und Weise gefeiert.

Alles in allem war mein tansanisches Weihnachten etwas Besonderes, auch wenn es sich nicht sonderlich von anderen Feierlichkeiten in Tansania unterschied. Natürlich fehlten einem die Familie und das ganze Drumherum ein wenig, aber die Erfahrung war es allemal Wert um das zu schätzen, was man zuhause für selbstverständlich empfindet.

Vor unserer