Goodbye Kessy and Makelele

Mittwoch, 03.12.2014

Heute fand die Verabschiedung von unseren Rektorin Kessy und unserem stellvertretenden Rektor Makelele statt. Das musste natürlich gebührend gefeiert werden.

Als ich am Morgen in die Schule kam, wusste ich nichts von dem geplanten Fest.

Das änderte sich schnell, denn alle Lehrer berichteten mir aufgeregt, was sie denn alles geplant hatten. Stolz zeigten sie mir eine Ziege, die auf dem Schulgelände graste, und meinten, dass sie diese zur Feier des Tages schlachten wollen. So wird also eine Schule einfach einmal kurzer Hand in einen Schlachthof verwandelt. Tansania – das Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Dieses Spektakel wollte ich mir aber nicht ansehen und so machte ich mich auf den Rückweg. Ich musste ja den Schwestern Bescheid geben. Nachdem ich bei diesen einige Zeit in der Küche geholfen hatte, ging ich zurück zur Schule.

Da es gelegentlich zu einem kurzen Regenschauer kam, wurde in einem Klassenzimmer ein Lagerfeuer angezündet, über dem nun ein „Eintopf“ brodelte. Was es genau war, wusste ich nicht und wollte es, ehrlich gesagt, auch gar nicht so ganz genau wissen.

  Beim Kochen über unserem kleinen Lagerfeuer  Die wohl beste Kollegin

Es gab nicht mehr viel vorzubereiten, weshalb ich bei der Dekoration half. Währenddessen bekamen alle Beteiligten ihre erste Stärkung, auf die ich gerne verzichtet hätte. Schlachtet ein Tansanier ein Tier, so wird es auch komplett verwertet. Voller Stolz setzten mir meine Kollegen eine gelbliche Brühe mit zahlreichen Innereien vor. Appetitlich sieht anders aus und meinem Magen gefiel der Anblick auch nicht sonderlich, er begann noch vor der ersten Verköstigung zu rebellieren. Doch eine solche Essenseinladung kann man hier nicht ausschlagen, weshalb ich gezwungenermaßen zumindest ein wenig probierte, wobei es auch blieb.

Es grauste mir als meine Kollegen es genüsslichst aßen. Sie verstanden nicht, dass ich nur so dezent probierte und wollten mir noch mehr aufdrängen. Ich war froh als endlich unsere Rektorin zusammen mit ihrem Sohn sowie Makelele und zahlreichen wahrscheinlich hochrangigen Herren auftauchten und das eigentliche Festmahl beginnen konnte. Es gab traditionell tansanisches Essen: gekochtes Ziegenfleisch, Kochbananen, Chipsi und rohes Gemüse. Nachdem sich jeder von dem Buffet reichlich genommen hatte, machten wir es uns in einem der Klassenräume gemütlich. Mir war es richtig unangenehm, denn die Lehrerinnen und Lehrer ließen sich von den Schülern redlich bedienen. Auch bei solchen „Kleinigkeiten“ bin ich schon froh, dass ich nicht hier zur Schule gehen musste, denn in meinen Augen hat so etwas eher weniger mit Respekt, sondern viel mehr mit Bequemlichkeit der Lehrerschaft zu tun. Doch damit muss ich mich wohl arrangieren, wie es bei so einigen Dingen hier der Fall ist.

Nach dem Essen ging dann die eigentliche Abschiedsfeier los. Zahlreiche, ewig andauernde Reden wurden geschwungen, Geschenke übergeben und einige Schüler führten traditionelle Tänze der Mpare, dem Stamm der hier beheimatet ist, vor.

Mwalimu Ester übergibt die Geschenke

Bis weit in den Nachmittag wurde gefeiert. Zur Krönung des Tages wurde ein traditionelles Getränk, ebenfalls der Mpare, ausgeschenkt. Es wurde mir als das „Bier der Mpare“ vorgestellt, doch bis auf den Alkohol hat es nicht viel mit einem europäischen oder deutschen Bier gemein. Es ist sehr bitter und besteht aus Zuckerrohr und Aloe Vera. Das rege Treiben in unserer Schule wurde von einem ausgiebigen Regenschauer beendet, was natürlich als gutes Omen für das zukünftige Rentnerleben ausgelegt wurde. Werden wir in ein paar Jahren ja sehen.

Zusammen mit einigen Schülern machte ich mich auf den Heimweg. Es war sehr makaber, denn eine Schülerin hielt währenddessen äußerst stolz das Fell der Ziege, an dem auch noch die Hufe hängten, in den Händen. Auch solche Dinge werde ich wohl zu Hause in Deutschland nicht wieder sehen, geschweige denn vermissen.