Berichte von 12/2014

Zu Besuch bei unserer Bibi Honorata

Sonntag, 28.12.2014

Bereits vor Weihnachten hatte mich unsere älteste Schwester Honorata eingeladen, ihre Familie in Kilomeni, einem Dorf auf den Bergen unweit des Klosters, zu besuchen. Natürlich freute ich mich riesig und fühlte mich auch gewissermaßen geehrt. Mit reichlicher Verspätung, wie es in Afrika typisch ist, ging es mittags endlich zusammen mit Schwester Honorata, unserem Fahrer und Nayesu , die hier ebenfalls im Kisekibaha wohnt jedoch noch keine Schwester ist, los. Circa eine halbe Stunde ging es die holprigen Sandstraßen, die man lieber zu Fuß läuft, die Berge hinauf. Bereits auf dem Weg konnte man das gesamte Kisekibaha, mein zweites Zuhause, überblicken.

Von hier oben liegt uns unsere Heimat zu Füßen  Von hier stammt unsere liebe Bibi

Endlich angekommen, schmerzten einem alle Glieder von der Fahrt. Nach einem kurzen Fußmarsch standen wir auch schon vor den Häusern, in denen Honoratas Schwester, ihr Bruder und sonstige Verwandte wohnten. Ihre Schwester durfte ich bereits in meiner Einsatzstelle einmal kennenlernen. Wir wurden herzlichst empfangen und schon nach kurzer Zeit wurde das Mittagessen bereitet. Zu Beginn war ich sehr skeptisch, denn besonders Fleisch ist meistens nicht sehr schmackhaft zubereitet, zumindest nicht für meinen Gaumen. Doch wir hatten Glück: es gab Reis, Hühnchen und zweierlei Soßen, alles hervorragend schmeckend.

In absehbarer Zeit soll ein Gottesdienst hier in Kilomeni für die verstorbene Mutter von Honorata stattfinden, daher ist einiges noch vorzubereiten und zu besprechen. Nayesu und ich wollten bei den Besprechungen nicht stören und gingen daher nach draußen um das angenehme Klima und die Sonne hier in den Bergen zu genießen.

  Nayesu und ich

Es dauerte nicht lange bis alle Kinder der Familie da waren und natürlich mit uns spielen wollten. Ich bewundere ja immer noch die Kinder hier in Tansania, die in Sachen Spiele erfinden deutlich kreativer als deutsche Kinder sind. Mit einem Stock und einem Eimerdeckel rannten sie den Berg hoch und runter. Es war eine wahre Freude den Kindern zuzusehen, wie sie sich verausgabten. Auf einmal schrie ein Kind auf und wir erschraken, weil wir glaubten es sei etwas passiert, doch als wir nachsahen, hatte das Kind nur ein Chamäleon gefunden. Ich glaube, das Chamäleon hielt sich für einen Grashalm, da es grün gefärbt war und wie die Gräser dru herum wippte. Fortan hatte das arme Tier keine ruhige Minute mehr, denn die Kinder ärgerten es leidenschaftlich, sodass es sich wahrscheinlich nicht nur aus Gründen der Tarnung sondern wohl auch aus Ärger von grün zu gelb färbte. Erst als Schwester Honorata zu uns stieß, da wir uns auf den Rückweg machen mussten um noch rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit zu Hause anzukommen, verloren sie das Interesse an dem Chamäleon und jagten fortan ihren Eimerdeckeln wieder hinterher.

 

 

Die Kinder begleiteten uns noch ein wenig auf der Lade ehe wir von dem angenehm kühlen Kilomeni in das stickige und heiße Kisekibaha zurückkamen.

 

Weihnachten in Tansania

Samstag, 27.12.2014

Von drauß vom Walde komm' ich her;

Ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!

Allüberall auf den Tannenspitzen

Sah ich goldene Lichtlein sitzen 

Dies alles durfte ich dieses Weihnachten hier in Tansania vermissen. In den Adventswochen erinnerte nichts als ein dürftiger Adventskranz in der Kirche an das bevorstehende Fest. Alles war äußerst ungewohnt. Jeder ging bis zum Heiligabend seiner üblichen Arbeit nach (ist hier genauso, viele müssen an Heilig Abend auch arbeiten) und auch das Klima war nahezu unerträglich heiß. Ich vermisste den Schnee, der hier leider nur auf dem Kilimanjaro zu finden ist, die weihnachtliche Dekoration zuhause, auf den Straßen und in den Geschäften, das Plätzchenbacken, aber auch das gemütliche Zusammensitzen mit der Familie im beheizten Wohnzimmer während Väterchen Frost sein Unwesen treibt und eben all die anderen Dinge die Weihnachten überhaupt zu einem richtigen Weihnachten machen.

Bereits seit dem 5.Dezember hatten die großen, fünfwöchigen „Sommerferien“, was ebenso sehr ungewohnt für mich war, begonnen. Auch die Massai-Mädchen waren nach Hause ausgeflogen. Es war alles sehr ruhig und in gewisser Weise auch langweilig. Für meine Schüler waren die Ferien wohl eher weniger langweilig, denn sie durften trotzdem nahezu jeden Tag in der Schule sowohl zum Putzen als auch zur Pflegen des Gartens erscheinen. Trotz der Ferien waren weder faulenzen noch ausschlafen für mich im Programm: Während meiner Ferien half ich in der Küche meiner Einsatzstelle. Zusätzlich gab ich den Geschwistern Sophia und Jemsi ein wenig Nachhilfe. Das Schicksal meinte es nicht gut mit ihnen. Ihre Eltern, beide Alkoholiker, hatten die beiden bei ihrer Großmutter abgesetzt und waren verschwunden. Bis heute verliert sich jede Spur von ihnen im Sand. Die Großmutter wie auch der Rest der Familie sind so arm, dass sie Sophia und Jemsi niemals einen Schulbesuch ermöglichen hätte können. Schwester Feliciana, die den Kindergarten leitet, nahm sich der beiden an und suchte nach Sponsoren, die ihnen ermöglichen in die Medium School zu gehen.

Jeden Donnerstag begleite ich Akwilina, eine junge Schwester, zum Markt nach Mwanga, um auch etwas anderes zu sehen als das Kisekibaha. So verging die vorweihnachtliche Zeit im Fluge und nichts erinnerte mich wirklich an eine besinnliche Weihnachtszeit. Jeder verblieb vielmehr in seinem gewohnten Arbeits-Trott.

Der erste vorweihnachtliche Bote erlangte mich dann doch am 22.Dezember durch ein Päckchen aus Deutschland. Weihnachten mit Schokolade, einer kleinen Krippe und einem Adventskalender. Auch wenn es erst spät ankam war die Freude trotzdem groß. Nachdem mein Zimmer nun zumindest etwas weihnachtlich geschmückt war, verspürte man erste Funken von Weihnachten. Endlich.

Trotz alledem glaubte ich jedoch, dassWeihnachten in Tansania nicht wirklich ein Highlight werden wird, weshalb ich beschlossen hatte für die Festtage Marmorkuchen zu backen. Das war nicht einmal so leicht, denn Rührmaschinen gibt es hier nicht. Zusammen mit Desterata und Klementina, beide „Novizinnen“ in meinem Alter, begannen wir die zweistündige Küchenschlacht, wobei wirjede Menge Spaß hatten.

 Unser Marmorkuchen

Doch mit der Annahme, dass Weihnachten hier nicht besonders gefeiert wird, hatte ich mich getäuscht.

Bereits am frühen Morgen des 24. Dezembers waren die Vorbereitungen auf Hochtouren. Die Kirche sowie der Speiseraum wurden jeweils mit einer Krippe, die äußerst kitschig mit Girlanden, die eher zur Fastnacht gepasst hätten und bunten Blinklichtern dekoriert wurden, „verschönert“. In der Küche brach hingegen Chaos aus. Glücklicherweise war pünktlich zum Weihnachtsfest der Strom, den wir über eine Woche am Stück missen mussten, zurückgekehrt, wasalles deutlich erleichterte. Die einen bereiteten Mandazi“ (ein landestypisches Gebäck), die anderen unser Mittagessen und wieder andere Chapati“ und einige anderer tansanischen Spezialitäten zu. So war es bis zum späten Abend hektisch in dem kleinen Grail Kisekibaha.

Um 22 Uhr fand dann die Christmette in der Outstation statt. Natürlich war ich da schon richtig müde, doch Weihnachten ohne eine Christmette ist eben kein richtiges Weihnachten. So dachte wohl nicht jede der Schwestern. Nur wenige der Schwestern gingen mit mir zur Messe, was ich sehr komisch fand. Der Gottesdienst (ansonsten zu oft Messe in schneller Abfolge) ging zum Glück nicht wie befürchtet einen Ewigkeit, sondern „nur“ eineinhalb Stunden, in der sich wohl jeder einmal ein kurzes Schläfchen gönnte. Doch nach dem Gottesdienst ging nicht jeder sofort ins Bett, sondern es wurde erst einmal bis spät in die Nacht getanzt, Soda getrunken und Mandazi verspeist.

Im Gegensatz zu Heiligabend ist der erste Weihnachtsfeiertag für die Tansanier von größerer Bedeutung. Wie auch aus Deutschland gewohnt beginnt der erste Weihnachtsfeiertag mit dem Besuch der Messe nach einem ausgiebigen Frühstück. Es war komisch, denn bereits seit dem Vortag war das Tor zu unserem Gelände verschlossen. Dies hinderte uns dann auch auf normale Art und Weise hineinzukommen, weshalb wir unsere tollkühnen Kletterkünste auspacken mussten. Erst nach mehrmaligem Nachfragen erzählten mir die Schwestern, dass unsere Gegend vor allem über die Weihnachtstage nicht sehr sicher vor Einbrüchen ist, weshalb die Tore verriegelt werden müssen. Es war ein komisches Gefühl für mich, so etwas zu hören, denn eigentlich fühlte ich mich immer sicher hier, was man hier zulande eigentlich nicht immer ist. Den restlichen Tag über bis zum Abendessen ruhten wir uns von Heiligabend aus, was bitter nötig war.

Zum Abendessen wurde ein üppiges Buffet aufgetischt. Doch damit war es nicht getan. Zu meinem Marmorkuchen gab es auch noch Zitronenkuchen, Mandazi sowie Erdnüsse und Unmengen an Soda. Heute war auch der Tag der Bescherung. Alle Geschenke waren um die Krippe gelegt und wurden nun auch verteilt. In Tansania fallen die Weihnachtsgeschenke nicht so üppig aus, wie man es wohl von zu Hause gewohnt ist. Hier wird das verschenkt, wenn überhaupt, was nützlich ist. So gab es für jede Schwester mit Ausnahme der Oberinnen Zahnpasta,in buntem Glitter-Papier eingepackt. Für mich gab es etwas genauso nützliches, nämlich einen giftgrünen Unterrock. In den Augen der Schwestern sollte man immer einen tragen, weil man ja durch jeden erdenklichen Stoff durchsieht, was ich jedoch oftmals bezweifle. Anschließend wurden ausgelassen traditionelle Stammestänze z.B. der Pare, Shagga, Massai, Sukuma,... getanzt. So ging es bis in die Nacht hinein.

Unser Christkind Akwilina trägt ganz schön schwer Für jeden ist etwas dabei :)

Und am nächsten Morgen war es auch wieder nicht möglich auszuschlafen. Wie jeden Tag musste man pünktlich um 6 Uhr aus den Federn sein, egal ob man nur wenige Stunden an Schlaf hat oder nicht. Nichts desto trotz ging es zuerst wieder in den Gottesdienst. Am „Boxing Day“ war es noch viel ruhiger, denn alle Schwestern waren ausgeflogen um ihre Weihnachtsbesuche bei der Familie, Mitschwestern oder Bekannten zu erledigen. Für mich persönlich war es wieder ein Tag der Ruhe, jedenfalls am Vormittag. Am Abend sollte wieder gefeiert werden, daher konnte man jede Hilfe in der Küche gut gebrauchen. Wie auch am Vorabend wurde auf dieselbe Art und Weise gefeiert.

Alles in allem war mein tansanisches Weihnachten etwas Besonderes, auch wenn es sich nicht sonderlich von anderen Feierlichkeiten in Tansania unterschied. Natürlich fehlten einem die Familie und das ganze Drumherum ein wenig, aber die Erfahrung war es allemal Wert um das zu schätzen, was man zuhause für selbstverständlich empfindet.

Vor unserer

 

Es ist geschafft....Ferien!

Freitag, 05.12.2014

 

Wie schnell doch die Zeit vergeht. Schon ist das Schuljahr zu Ende.

Bis zum letzten Tag haben wir Examen geschrieben bzw. korrigiert und jede Menge Zeugnisse geschrieben. Jetzt ist es endlich geschafft! Nun können die wohlverdienten "Sommer"-Ferien kommen!

         Meine kleine Rasselbande...oder viel mehr was davon am letzten Schultag übrig blieb :)  Da schaut man einmal weg :)

 

Goodbye Kessy and Makelele

Mittwoch, 03.12.2014

Heute fand die Verabschiedung von unseren Rektorin Kessy und unserem stellvertretenden Rektor Makelele statt. Das musste natürlich gebührend gefeiert werden.

Als ich am Morgen in die Schule kam, wusste ich nichts von dem geplanten Fest.

Das änderte sich schnell, denn alle Lehrer berichteten mir aufgeregt, was sie denn alles geplant hatten. Stolz zeigten sie mir eine Ziege, die auf dem Schulgelände graste, und meinten, dass sie diese zur Feier des Tages schlachten wollen. So wird also eine Schule einfach einmal kurzer Hand in einen Schlachthof verwandelt. Tansania – das Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Dieses Spektakel wollte ich mir aber nicht ansehen und so machte ich mich auf den Rückweg. Ich musste ja den Schwestern Bescheid geben. Nachdem ich bei diesen einige Zeit in der Küche geholfen hatte, ging ich zurück zur Schule.

Da es gelegentlich zu einem kurzen Regenschauer kam, wurde in einem Klassenzimmer ein Lagerfeuer angezündet, über dem nun ein „Eintopf“ brodelte. Was es genau war, wusste ich nicht und wollte es, ehrlich gesagt, auch gar nicht so ganz genau wissen.

  Beim Kochen über unserem kleinen Lagerfeuer  Die wohl beste Kollegin

Es gab nicht mehr viel vorzubereiten, weshalb ich bei der Dekoration half. Währenddessen bekamen alle Beteiligten ihre erste Stärkung, auf die ich gerne verzichtet hätte. Schlachtet ein Tansanier ein Tier, so wird es auch komplett verwertet. Voller Stolz setzten mir meine Kollegen eine gelbliche Brühe mit zahlreichen Innereien vor. Appetitlich sieht anders aus und meinem Magen gefiel der Anblick auch nicht sonderlich, er begann noch vor der ersten Verköstigung zu rebellieren. Doch eine solche Essenseinladung kann man hier nicht ausschlagen, weshalb ich gezwungenermaßen zumindest ein wenig probierte, wobei es auch blieb.

Es grauste mir als meine Kollegen es genüsslichst aßen. Sie verstanden nicht, dass ich nur so dezent probierte und wollten mir noch mehr aufdrängen. Ich war froh als endlich unsere Rektorin zusammen mit ihrem Sohn sowie Makelele und zahlreichen wahrscheinlich hochrangigen Herren auftauchten und das eigentliche Festmahl beginnen konnte. Es gab traditionell tansanisches Essen: gekochtes Ziegenfleisch, Kochbananen, Chipsi und rohes Gemüse. Nachdem sich jeder von dem Buffet reichlich genommen hatte, machten wir es uns in einem der Klassenräume gemütlich. Mir war es richtig unangenehm, denn die Lehrerinnen und Lehrer ließen sich von den Schülern redlich bedienen. Auch bei solchen „Kleinigkeiten“ bin ich schon froh, dass ich nicht hier zur Schule gehen musste, denn in meinen Augen hat so etwas eher weniger mit Respekt, sondern viel mehr mit Bequemlichkeit der Lehrerschaft zu tun. Doch damit muss ich mich wohl arrangieren, wie es bei so einigen Dingen hier der Fall ist.

Nach dem Essen ging dann die eigentliche Abschiedsfeier los. Zahlreiche, ewig andauernde Reden wurden geschwungen, Geschenke übergeben und einige Schüler führten traditionelle Tänze der Mpare, dem Stamm der hier beheimatet ist, vor.

Mwalimu Ester übergibt die Geschenke

Bis weit in den Nachmittag wurde gefeiert. Zur Krönung des Tages wurde ein traditionelles Getränk, ebenfalls der Mpare, ausgeschenkt. Es wurde mir als das „Bier der Mpare“ vorgestellt, doch bis auf den Alkohol hat es nicht viel mit einem europäischen oder deutschen Bier gemein. Es ist sehr bitter und besteht aus Zuckerrohr und Aloe Vera. Das rege Treiben in unserer Schule wurde von einem ausgiebigen Regenschauer beendet, was natürlich als gutes Omen für das zukünftige Rentnerleben ausgelegt wurde. Werden wir in ein paar Jahren ja sehen.

Zusammen mit einigen Schülern machte ich mich auf den Heimweg. Es war sehr makaber, denn eine Schülerin hielt währenddessen äußerst stolz das Fell der Ziege, an dem auch noch die Hufe hängten, in den Händen. Auch solche Dinge werde ich wohl zu Hause in Deutschland nicht wieder sehen, geschweige denn vermissen.