Berichte von 10/2014

Karibu Tansania - endlich angekommen im Land meiner Träume!

Donnerstag, 23.10.2014

Es ist Zeit für meinen ersten Rundbrief. Ich bin nun schon seit über einem Monat im Land meiner Träume – Tansania.

Meine Ankunft in Tansania:

Am 7.Oktober 2014 um 22.30Uhr ging es endlich mit der Ethiopian Airline ET 707 los. Wir alle waren sehr angespannt, denn nun begann ein neuer Lebensabschnitt, ohne Familie und Freunde, die uns zu Hause immer mit Rat und Tat zur Seite standen. Ängste, ob man sich wohl zu viel zugemutet hat und ob man 10 Monate in einem fremden Land alleine überstehen könne, kamen nun in stärkerer Form ans Tageslicht.

Über den Wolken...

Doch um Trübsal zu blasen blieb uns kaum Zeit. Direkt nach der Landung am Flughafen von Dar es Salaam mussten wir unser Visum beantragen.

Aber auch danach war die Reise noch nicht geschafft. Unser Anreiseseminar fand in Morogoro statt. Vor den Pforten des Flughafens warben zahlreiche Taxifahrer um Kunden. Bwana Roman und Mama Gloria, unsere Mentoren vor Ort, warteten dort mit zwei Kleinbussen. Mit diesen ging es auf die stundenlange Fahrt nach Morogoro. Die Fahrt selbst war einfach nur atemberaubend. Man fühlte sich, als ob man am Leben der Menschen hier jetzt schon teilhaben konnte. Dazu muss man wissen, das der Alltag einer afrikanischen Familie oder bei sehr armen Menschen überwiegend, beinahe ausschließlich im Freien stattfindet.

Hier verbrachten wir unsere erste gemeinsame Seminarwoche

Gegen Abend kamen wir erschöpft und hungrig an. Doch nach dem Essen mussten wir erst einmal unsere Moskitonetze flicken, was sich als sehr beschwerlich herausstellte, denn es nahm kein Ende.

In dieser Woche haben wir, alle 29 Freiwillige des Afrika 3+10 Programms zusammen verbracht, um den Einstieg in eine neue Kultur zu erleichtern. Nicht dass wir uns schon seit einigen Monaten auf unser Vorhaben vorbereitet hatten, doch erst einmal angekommen, beginnt man alles mit anderen Augen zu sehen. Wir haben sehr viel über unseren Freiwilligendienst, wie es für ein derartiges Seminar üblich ist, gesprochen und alle Formalitäten , wie beispielsweise das Melden bei diversen Ämtern, erledigt.

An einem Tag gingen wir als geschlossene Gruppe in die Stadt Morogoro selbst, denn wir wohnten etwas außerhalb. Bei der Fahrt dorthin haben wir gelernt: ein Daladala kann niemals voll werden. 29 Freiwillige, plus ca. zehn Betreuer und drei weitere Personen in einem für max. 16 Leute ausgelegten Daladala. Im wahrsten Sinne des Wortes kamen wir auf den Felgen daher. Nach einer kurzen Zeit sahen doch auch die Afrikaner ein: es sind zu viele in unserem Daladala. Dementsprechend konnten bald einige in ein Zweites umsteigen. Es war gut nicht alleine dort in Morogoro zu sein, denn wenn man in eine größere Stadt in Afrika kommt, fühlt man sich als Europäer sehr schnell überfordert. Tausende von Autos, Daladalas, Motorräder und Bussen fuhren kreuz und quer durch die Straßen. Überall her schallt Musik. Die Menschen drängten sich durch die Marktstände und natürlich wurde uns immer „wazungu“ (dt. Europäer(in),Weiße(r)) nachgerufen - was auf die Dauer äußerst nervig sein kann...

Doch was wäre eine Reise nach Afrika ohne eine Safari? Am darauffolgenden Tag unternahmen wir eine Safari in den Mikumi Nationalpark, um nicht nur die vielen Tiere zu bestaunen, sondern auch um unsere Mentoren genauer kennenzulernen. Es war faszinierend die unterschiedlichen Tiere von Giraffen, Antilopen, Zebras, Elefanten bis hin zu Flusspferden und natürlich noch vielen mehr einmal in freier Wildbahn – und nicht nur im Fernsehen - bei hervorragendem Wetter zu beobachten. An einem Tag wie diesen hatte es sich richtig gelohnt früh aufzustehen.

karibu Mikumi National ParkWir Freiwillige mit unseren Betreuern und Mentoren ein letztes mal vereint bei der Safari im Mikumi NationalparkTembo  Twiga na punda milia  

Auch die schönste Zeit geht einmal zu Ende. Sonntag war unser letzter gemeinsamer Tag, bevor unser Abenteuer erst richtig losgehen konnte. Wir starteten diesen Tag traditionell mit einem tansanischen Gottesdienst. Aus Erzählungen wusste ich zwar, dass es hier sehr viel musikalischer und tänzerischer zugeht, doch so toll hatte ich es mir niemals zuvor vorgestellt. Die Kirche war fast bis auf den letzten Platz besetzt, obwohl bereits zuvor schon ein Gottesdienst stattgefunden hat. Den Großteil nahm die Klosterschule der Bigwa-Sisters ein. Diese Jugendlichen gestalteten den Gottesdienst mit vielen Gesängen und natürlich Tänzen. In Afrika singt man ja nicht ohne sich zu bewegen. Daher vergingen wohl die eineinhalb Stunden wie im Fluge. Bei den letzten Vorbereitungen zu unserer Weiterreise machten sich nun auch die letzten Freiwilligen ihre ersten großen Sorgen. In unseren Köpfen schwärmten tausende von Fragen: Wie wird es wohl werden? Wie wird meine Einsatzstelle sein und vor allem, wie werden die Menschen auf mich reagieren? Doch heute weiß ich, all diese Sorgen waren um sonst...

 

Meine Ankunft im Kisekibaha:

Am Montag, dem 13.Oktober 2014 ging es dann endlich los. Wir mussten bereits früh aufstehen um zu unseren Fernbus rechtzeitig zu erreichen. Uns wurde davor geraten nichts zu essen und nichts zu trinken, denn in Afrika hält ein Fernbus nur einmal und das erst nach ca. 5 Stunden. Ein tansanischer Fernbus ist nicht mit einem deutschen Fernbus vergleichbar. Hier sitzen 5Menschen in einer Reihe eng aneinander gepfercht über Stunden. Oftmals funktioniert auch die Klimaanlage nicht wirklich, was bei der Hitze alles noch unerträglicher macht. Zudem kann man sich nie sicher sein, ob man seinen reservierten Platz auch wirklich einnehmen kann. Doppelbuchungen sind hier keine Seltenheit, wie es bei mir der Fall war.

Nach ca. fünfeinhalb Stunden war ich endlich in der Massaistadt Lembeni angekommen. Ich konnte es zu diesem Zeitpunkt kaum glauben, dass nun mein Abenteuer Tansania erst so richtig losgeht. An der Bushaltestelle empfing mich Schwester Aquilina, ich schätze sie auf keine 30Jahre, und der wohl sicherste tansanische Autofahrer der Schwestern. Wir fuhren wenige Kilometer eine Sandstraße mit mehreren metertiefen Schlaglöchern entlang. Ich als Europäerin bin das natürlich gar nicht gewohnt gewesen und presste mich dementsprechend in den Sitz.

Nun endlich sind wir im „Grail Kisekibaha“, dem Mutterhaus der in Holland gegründeten Grail Schwestern, angekommen. Das Tor öffnete sich und wir fuhren in ein wunderschön gepflegtes Anwesen. Papaya- und Orangenbäume, Avokadobäume und Christmastrees, sowie perfekt zugeschnittene Buxhecken zieren den Weg zu den Wohnhäusern. Affen, Bärenpaviane und Grüne Meerkätzchen, tanzen auf den Bäumen, die sich mittlerweile als großes Problem für unsere Früchte herrausstellen. Auch Schmetterlinge von unfassbaren Farben und Größen flattern von Blüte zu Blüte.

Karibu Grail Kisekibaha

Kaum dass das Auto zum Stehen kam, kamen auch schon alle Schwestern aus dem Speisesaal angelaufen um mich zu begrüßen. Ich war total baff, denn ich hätte nicht im Traum daran gedacht, dass ich hier auf überwiegend junge Schwestern treffen werde. Hier kann man so ziemlich jedes Alter von 12 bis 76 Jahren vorfinden. Dementsprechend geht es hier auch sehr lebendig zu.

Regelrecht ausgehungert von der langen Fahrt durfte ich mich sofort stärken. Ein wunderbares Essen war angerichtet. Sie haben extra für mich gekocht.

Hier wohne ich bis zu meiner Rückkehr  Mein kleines Reich Unser kleiner Innenhof

In einer kurzen Pause konnte ich mein Zimmer beziehen. Es ist genauso wie das Gelände sehr gepflegt und vor allem ohne Kakerlaken oder anderes Getier . Es ist zwar klein, aber mit einem Kleiderschrank, einem Nachtisch und zwei Betten, sowie einem Moskitonetz ausgestattet. Mein Zimmer ist in einem kleinen Häuschen, das ich mit einer jungen Schwester namens Odilia bewohne. Wenn man durch die Tür hineinkommt, gelangt man zuerst in unser gemeinsames Wohnzimmer, wenn man es so nennen kann. Durch einen kleinen Gang, wo sich unsere Zimmer befinden, läuft man unmittelbar auf einen kleinen Innenhof zu. Dort befinden sich zwei Duschen, eine „europäische“ (!) Toilette, sowie ein Waschbecken zum Kleiderwaschen und eine Wäscheleine. Die Wäsche wird hier natürlich von Hand gewaschen, was ich mittlerweile schon bestens beherrsche. Ich bin hier also bestens ausgestattet!

Nach der Erholungsphase war es nun auch Zeit um das Anwesen genauer zu begutachten. Neben den Wohnhäusern, wovon eines sehr im englischen Stil gestaltet ist, den Gemeinschaftsräumen und natürlich einer Kapelle, gehören auch eine kleine Farm mit Kühen, Schweinen, Ziegen, Hühnern, Katzen und Hunden dazu. Natürlich darf auch eine kleine Biogasanlage nicht fehlen. Die Schwestern hier haben sogar ihre eigenen Klassenräume für ihre Novizinnen und Schülerinnen. Zudem wird hier eine kleine Gärtnerei und ein kleiner Laden für die Bewohner des Kisekibahas betrieben.

Außerhalb des Klostergeländes befindet sich der Kindergarten des Kisekibaha, der ebenfalls von einer Grail Schwester geleitet wird. Gleichzeitig sind hier auch eine Gruppe von Massai-Mädchen untergebracht, welche ich am Nachmittag betreue. Sie leben zwar nicht in dem „Luxus“ wie die Schwestern, doch immerhin deutlich besser als zu Hause bei ihrer Familie. Sie schlafen in einem gemeinsamen Raum mit zahlreichen Stockbetten. Die Küche ist ein einziger, dunkler Raum, wo über offenem Feuer gekocht werden muss. Des weiteren befindet sich auf dem Gelände ein Waschhaus mit Waschräumen und Duschen, sowie ein separates Haus mit zwei „Unterrichtsräumen“. Auch hier kann man einen reichhaltigen Gemüse- und Obstgarten finden, welcher den Schwestern hier sehr am Herzen liegt.

Oft sieht man Kreise auf den Wangen und der Stirn der Kreise. Ein Relikt ihres Stammes. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob diese ihnen als Kleinkind eingebrannt oder eingeschnitten werden. Bei einigen von ihnen habe ich auch Narben in Form von Buchstaben auf ihren Händen und Armen gesehen. Die Bedeutung hierfür ist mir noch unbekannt, doch ich werde es im Laufe meines Freiwilligendienstes sicher noch herausfinden.

Die Massai-Mädchen essen genüsslich ihren Porridge bevor es zur Schule gehtEin Teil meiner Massaimädels

Ich habe mich hier sehr schnell eingelebt. Von Kulturschock fehlt jede Spur.Die erst Woche konnte ich noch nicht an der Schule arbeiten, doch ich versuchte mich sofort in das Klosterleben bestmöglich einzugliedern.Angefangen vom Besuch der täglichen Messe und der Preyer (täglichen Gebete). Das heißt morgens um 6.00Uhr erst einmal in den Morning-Preyer und dem anschließenden Gottesdienst. Am Mittag wird um 12.30Uhr vor dem Essen Rosenkranz gebetet. Um 18.00Uhr nach getaner Arbeit findet der Evening-Preyer, sowie die Reflection statt. Nach dem Essen um 21.30Uhr lässt man den Tag dann mit dem Night-Preyer ausklingen.

Wenn man sich hier nicht in der Kirche aufhält, so wird die Arbeit, die hier zu Hauf anfällt, erledigt: Essen kochen, Wäsche waschen, Felder und Garten bewirtschaften,... Doch niemals arbeitet nur einer. Gemeinschaft, wie ich es in Deutschland noch nie in diesem Ausmaße vorgefunden habe, ist hier die oberste Priorität. Oft wird am Abend zusammen traditionell gesungen und getanzt. Auch hier ist jeder dabei.

Donnerstag ist Markttag in Mwanga, dem nächstgrößeren Städtchen. Dorthin nahm mich auch Schwester Marghareta, unsere Oberin, mit hin. Ein afrikanischer Markt ist wirklich sehr faszinierend. Stände stehen fast kreuz und quer. Jeder schreit sich die Seele aus dem Leib um seine Ware an den Mann oder die Frau zu bringen. Es wird Obst und Gemüse, gegenüber Schmuck und Schuhe und an einem anderen Stand Klamotten verkauft. Man kann hier einfach alles finden.

Am meinem ersten Sonntag in der Einsatzstelle hatte ich die Wahl, ob ich bei den Schwestern oder in der Outstation zum Gottesdienst gehen möchte. Ich entschied mich dafür, den Gottesdienst in der Gemeinde zu besuchen um auch die Gemeinde außerhalb der Klosterzaunes einmal kennenzulernen. Die Kirche kann man nicht als solche identifizieren. Unter einem Unterstand an einem heruntergekommenem Häuschen ist der Altarbereich aufgebaut sowie mehrere Sitzbänke und Stühle aufgestellt. Eine Sakristei gibt es gar nicht. Doch die Bewohner des Kisekibahas wollen eine Kirche erbauen, dementsprechend erhielten sie Besuch an diesem besagten Sonntag. Mir wurde zwar gesagt, dass der Gottesdienst etwas länger dauert. Mit viereinhalb Stunden hatte ich dann aber doch nicht gerechnet. Nicht nur, dass ich viereinhalb Stunden fast nur Bahnhof verstanden habe, nein, ich musste auch versuchen meinen Durst durch die große Hitze zu unterdrücken. Doch die Geckos und Eidechsen, die auf dem Wellblech tanzten und damit lustige Geräusche von sich gaben, hatten mir die Zeit etwas versüßt und für angenehme Ablenkung gesorgt.