Unser Gartenprojekt

Donnerstag, 30.04.2015

Die Große Regenzeit hat nun endlich das Klima herabgesetzt und das ganze Kisekibaha ist in ein Meer von frischem Grün verwandelt worden. Jeden Morgen wenn ich zur Schule laufe, kann ich mir kaum vorstellen, dass noch vor wenigen Wochen hier die reinste Trockenheit herrschte.

Nun strömen die Dorfbewohner Scharenweise auf die Felder um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Die Feld- und Gartensaison wurde nun also eröffnet.

Bereits zu Beginn meines Freiwilligendienstes wollte ich zusammen mit meinen Massai-Mädchen einen Gemüsegarten anpflanzen, doch damals riet mir jeder davon ab, denn die Trockenzeit würde alles zunichtemachen. Diesen Rat habe ich befolgt, doch nun konnten wir vergangene Woche endlich beginnen.

Massai-Frauen haben mit Ausnahme der Hausarbeit und Kindererziehung keine weiteren Aufgaben, vor allem keine mit der sie Geld für ihre Familie verdienen können. In diesem Punkt sind sie ganz und gar von ihren Männern abhängig, die oftmals eher weniger für ihre Frauen und Kinder, sondern viel mehr für ihre Kühe übrig haben. Durch mein Gartenprojekt möchte ich bereits den noch so jungen Mädchen beibringen, wie man eigenes Obst und Gemüse anbaut und nach der Ernte auch verarbeitet.

In Tansania heißt Feld- bzw. Gartenarbeit reine Muskelarbeit, so zogen wir also mit unseren Hacken in den Garten um erst einmal den Boden zu lockern. Selbst die Kleinsten von ihnen waren hellauf begeistert und halfen voller Tatendrang mit.

Nach zwei Nachmittagen, kam nun endlich der angenehmere Teil: DasEinsäen“. Hierbei konnten natürlich nicht alle mithelfen, denn 23 Personen in einem kleinen Garten sind deutlich zu viele und wären nur hinderlich. Zuerst suchten die Mädchen sich aus, was sie denn gerne später einmal essen möchten. Zu meinem Erstaunen waren sie sich sehr schnell einig und jeder übernahm die Verantwortung über ein kleines Fleckchen im Garten, was sie anpflanzen durften. Wenn es nach den Mädchen gegangen wäre, hätte keine 30Sekunden später bereits die fertige Pflanze dastehen sollen. Doch wie es auch meine Großmutter mit mir immer gemacht hat, steckten wir die Bildchen mit kleinen Stöckchen in die Erde (wir wollten ja auch wissen, was wir an welcher Stelle angesät haben), weshalb es danach doch nicht ganz so trist aussah.

Jeden Tag schauen die Mädchen gespannt nach, ob sich denn schon etwas im Garten tut. Tatsächlich nach nun gerade einmal einer Woche, zeigen sich schon die ersten kleinen Pflänzchen heraus aus der tiefbraunen Erde. Wenn es doch wirklich hier so schnell geht können wir hoffentlich noch vor meiner Abreise nach Deutschland, die nun immer näher und näher rückt, unser Gemüse ernten und vielleicht auch das ein oder andere deutsche Gericht zu kochen.

       Nun müssen wir nur noch warten

 

Zu Besuch in Rombo

Sonntag, 12.04.2015

Heute ging es nach Rombo, unmittelbar an der Grenze Kenias. Schwester Maghret, die Oberin der Grail-Schwestern, hatte mich dazu eingeladen, ihre Familie dort zu besuchen. Ich fühlte mich natürlich geehrt und nahm die Einladung sofort an.

Bereits nach dem Frühstück ging es los. Normalerweise ist es mit dem Auto eine Stunde bis maximal eineinhalb Stunden Fahrt, wenn man davon ausgeht, dass nicht permanent ein Halt eingelegt wird. Ich fragte mich schon, warum wir dieses Mal den braunen Geländewagen mit der großen Ladefläche und den kitschigen Zebrasitzen benützen.

Den ersten Stopp legten wir in Kisangara bei einer Familie ein, die auch uns den Öfteren besucht. Hier wurden an einem angenehm warmen Sonntagmorgen zuerst einmal vier Ferkel eingekauft. Zu meinem Entsetzen wurden sie in Säcke gepackt und ordentlich zugeschnürt, doch trotz alledem konnte sich immer wieder eins befreien, weshalb wir wohlgemerkt auch wieder mehrere Pausen einlegen mussten.

Mit den Ferkeln auf der Ladefläche ging es dann wenige Häuser weiter, um noch Fenstergitter zu kaufen. Ich war ein wenig verdattert, denn ich wusste nicht, wozu das alles gut sein soll. Eigentlich dachte ich, wir würden der Familie unserer Oberin nur einen kurzen Besuch abstatten und dort zu Mittag essen.

Nach zahlreichen weiteren Zwischenstopps, weil man entweder wieder ein Ferkel auf der Ladefläche einfangen oder die Gitter kontrollieren musste, kamen wir endlich gegen halb eins in Rombo an. Wir fuhren viele kleine Sandwege durch Bananen- und Kaffeeplantagen, bis wir das Haus der Familie in mitten einer solchen Plantage erreichten. Zu meinem Erstaunen war es sehr frisch hier und ich war froh meine Jacke mitgenommen zu haben. Fast die ganze Familie von Schwester Maghret, ihre Mutter, ihr Bruder mit Familie sowie ihre Schwester, hießen uns freundlich Willkommen. Wir konnten uns gerade noch ins Haus retten, als ein starker Platzregen niederprasselte. Im Haus war bereits alles vorbereitet. Es gab karanga (dt. „Erdnüsse“) aus eigenem Anbau und dazu eine Soda, während das Mittagessen aufgetischt wurde.

Die Zeit verging wie im Fluge und wir mussten uns auf den Heimweg machen, denn wir wollten noch ankommen solange es hell war. Immerhin mussten wir hierbei nicht stoppen, sodass wir noch relativ früh ankommen. So habe ich also Rombo am Fuße des Kibos besucht.

  Die ganze Familie vereint

   

Zu Ostern am Viktoriasee

Samstag, 11.04.2015

Am Samstag, den 28.April, begann endlich mein lang ersehnter Osterurlaub. Zusammen mit Annika und Gabi, zwei weiteren Caritas-Freiwilligen aus der Nähe von Karatu, habe ich eine Woche in Mwanza am schönen Viktoriasee verbracht. Zuerst ging es nach Arusha, von wo aus alle Fernbusse abfahren. Es war richtig schön dort Annika und Gabi wieder zu sehen. Spontan schloss sich uns auch noch Theresa an, die bereits vor zwei Jahren eine Caritas-Freiwillige in meiner Einsatzstelle war und nun nach Tansania zurückgekehrt ist um hier Urlaub zu machen. Sie kam gerade vom Mt. Meru herunter und konnte ein paar entspannte Tage gut gebrauchen.

Zur Feier des Tages gönnten wir uns am Abend ein leckeres, europäisches Essen. In Momenten wie diesen beginnt man doch tatsächlich, die Heimat ein wenig zu vermissen. In unserer ersten Urlaubsnacht schliefen wir in einem kleinen Guesthouse nahe am Busbahnhof, welches fürsorglich von den Brüdern, bei denen Annika und Gabi wohnen, ausgesucht wurde. Auch sonst haben die Brüder nichts dem Zufall überlassen und haben uns sogar das Busticket besorgt, sodass wir uns kaum um etwas kümmern mussten. Für den nächsten Morgen hatten wir um halb 7 ein Taxi bestellt, welches uns zum Busbahnhof brachte und tatsächlich pünktlich war.

Wir hatten uns ganz schön abgehetzt und zur Belohnung fuhr unser Bus mit einer halben Stunde Verspätung nach Mwanza ab. Vornweg hatten wir uns bereits mit reichlich Essen eingedeckt, da uns bewusst war, dass wir nun sicher 12h unterwegs sein werden. Erst gegen 20Uhr kamen wir endlich in Mwanza an. Von der langen Reise waren wir total erledigt und wollten uns nur noch schlafen legen. Bereits im Bus hatten wir das „Deluxe Hotel“ in Annikas Reiseführer ausgesucht, zu welchem wir uns mit einem Taxi bringen ließen. Jedoch war der Reiseführer nicht mehr allzu aktuell und das Hotel entsprach daher nicht mehr den Beschreibungen. Die Nacht war für uns alle aufgrund des starken Straßenlärmsnicht sehr erholend, weshalb wir uns am nächsten Morgen sofort aufmachten um uns ein anderes Hotel bzw. Hostel zu suchen. Da wir uns nicht mehr auf unsere Reiseführer verlassen wollten, ließen wir uns von zwei Frauen, die auf der Straße Fisch verkauften, uns ein schönes und vor allem sauberes Hostel zeigen. Uns gefiel es auf Anhieb, doch leider lag es etwas abgelegen von der Innenstadt in einer kleinen Gasse, sodass niemals ein Pikipiki-Fahrer wusste, wohin sie uns denn am Abend bringen sollten.

In der Nähe unseres neuen Hostels frühstückten wir bei einer Mama leckeren Chapatiund tranken Tee dazu. Frisch gestärkt machten wir uns auf, um endlich den Viktoriasee in Augenschein zu nehmen. Wir stiefelten eine gefühlte Ewigkeit durch die Stadt bis wir endlich am Ufer eben jenes Sees standen. Trotz des bewölkten Himmels war es ein traumhafter Anblick. Vieles erinnerte an kleine Buchten in Italien am Mittelmeer. Am anderen Ufer der Bucht erstreckten sich die restlichen Ausläufer von Mwanza die Hügel hinauf. Nach einem kleinen Marktrundgang und natürlich einem zünftigen Fisch zum Mittagessen beschlossen wir zum „Malaika-Beach“ zu fahren. Der Strand war nicht allzu groß, jedoch wunderschön und menschenleer. Da der Himmel auf dem Weg aufriss, konnten wir so die wunderschöne Nachmittagssonne direkt am Viktoriasee genießen. So ging unser erster Tag in Mwanza zu Ende und wir fielen todmüde in unsere Betten.

Karibu MwanzaDer Bismarck-Rock Der Fischmarkt von Mwanza   Malaika-Beach

Da Theresa am Mittwoch zu ihrer Weiterreise nach Dar es Salaam aufbrechen musste, wollten wir den letzten gemeinsamen Tag als Quartett noch voll ausnutzen. So unternahmen wir einen Tagesausflug in das „Sukuma Village Museum“. Sukuma ist der im Raum in und um Mwanza ansässige Stamm. Wir sahen uns nachgebildete Werkzeuge und Wohnhütten der traditionellen Sukuma an und bekamen einen guten Einblick in das Leben derer. Die Sukuma sind allseits für ihre Schlangentänze mit riesigen Python bekannt. Diese riesen Würgeschlangen bekamen wir auch zu sehen. Nachdem uns noch ein starker Platzregen im Museum für einige Zeit festhielt, kehrten wir wieder zurück in unser Hostel.

Ein alles entscheidendes Spiel der Sukuma

Am Mittwochmorgen hatte sich Theresa bereits sehr früh am Morgen von uns verabschiedet. Fortan ging die Reise zu dritt weiter. Am heutigen Tage wollten wir zu der Insel „Ukerewe“ im Viktoriasee fahren. Da die Fähre erst um 14Uhr losfuhr, konnten wir am Vormittag noch ein wenig auf dem Markt umher schlendern. Auf dem Markt war ein reges Treiben zwischen den Ständen. Für Mwanza typisch gab es dort natürlich Unmengen an Fisch. Zudem gab es aber auch die unterschiedlichsten Gewürze, Obst, Gemüse und natürlich zahlreiche Kitengen.

Die Fahrt mit der Fähre dauerte über 3h, doch wir kamen gerade noch pünktlich an um den Sonnenuntergang mit der wunderschönen Kulisse der Ukerewe Insel und ihren Palmenanzusehen. In unserem Hotel, das uns wohlgemerkt unsere Reiseführer beschrieben haben, war tatsächlich richtig schön. Bei einem leckeren Abendessen ließen wir nun auch schon den dritten Urlaubstag ausklingen.

Nach dem Frühstück wollten wir nun die Insel genauer kennen lernen. Wir hatten mitbekommen, dass man sich bei der Touristeninformation Fahrräder ausleihen könne und da wir uns endlich einmal wieder richtig sportlich betätigen wollten, wollten wir die Chance natürlich sofort nutzen. Doch die Touristeninformation stellte sich viel mehr als kleiner Elektro-Laden heraus. Immerhin konnten sie einen Guide für uns anrufen, der dann auch tatsächlich kurze Zeit später kam. Wir beschlossen zum Chief's Palace zu radeln. So ging es auf drei etwas heruntergekommenen Fahrrädern ohne Gangschaltung los. Eigentlich hatten wir uns eine schöne, gemütliche Radtour vorgestellt, die sich doch als deutlich anstrengender entpuppte. Während unser Guide fröhlich, sichtlich ohne Anstrengung einen Hügel nach dem anderen hoch und runter radelte, mussten wir sowohl mit uns selbst als auch mit dem Berg und den Drahteseln kämpfen, dass wir mit ihm Schritt halten konnten. Jedes Mal wenn es einen Hügel hinunterging, konnten wir ein wenig verschnaufen und die Sicht auf die wunderschöne Landschaft von Ukerewe sowie manchmal auch auf den See zu genießen. Trotzdem kamen wir total außer Atem an unserem geplanten Ziel, dem Chief's Palace, einem heruntergekommenen Gebäude, mit reichlich Verspätung an. Das Gebäude war nicht sehr spektakulär, bis auf ein paar Trommeln aus längst vergangenen Zeiten gab es nicht sehr viel zu besichtigen. Ein Nachfahre des letzten Häuptlings von Ukerewe erzählte uns stolz, die Geschichte der Inselbewohner, während die angenehme Kühle des Hauses unsere glühenden, hochroten Häupter zur Normalfarbe brachte. Nach dieser kurzen Besichtigung ging es auch schon wieder zurück. Nach einer erfrischenden Dusche wollten wir uns an einem nahegelegenen Strand ein wenig erholen. Bis auf Kinder, die im Viktoriasee wild herumtobten, war kein Mensch weit und breit zu sehen. Manchmal frage ich mich, ob es den Einheimischen nicht bewusst ist, welch Risiko sie beim Baden im Viktoriasee eingehen, wobei jeder Tourist aufgrund der Bilharziose-Gefahr es nicht einmal wagt das Wasser zu berühren. Am Abend wollten wir direkt hier am Strand zu Abend essen, wäre auch kein Problem gewesen, wenn nicht schrill trällernde Vögel uns einen Strich durch die Rechnung gemacht hätten und uns in ein Restaurant getrieben hätten. Nun war uns auch klar, was unser Reiseführer mit „unruhigen Nächten“ meinte.

Endlich auf Ukerewe Island angekommenUkerewe  Der Chief Palace 

Am nächsten Morgen hetzten wir uns ab um pünktlich bei der Fähre zu sein. Doch dort angekommen, war alles menschenleer. Wir verließen uns diesmal auf meinen aktuellen Reiseführer (von 2014!), der anscheinend auch nicht mehr ganz die Wahrheit sprach, denn die nächste Fähre sollte erst um zwei Uhr mittags ablegen. So hatten wir also noch jede Menge Zeit, die wir wie am Tag zuvor am Strand verbrachten um der kleinen, wunderschönen Insel im Viktoriasee „kwa heri“ zu sagen.

Zurück in Mwanza beschlossen wir ein weiteres Hostel, was deutlich zentraler in der Stadt liegt, auszuprobieren. Tatsächlich war es eine richtig gute Entscheidung. Unsere Zimmer waren im dritten Stock, sodass wir sogar den Viktoriasee direkt vom Fenster aus sehen konnten. Da kommen richtige Urlaubsgefühle auf. Leider hatte die nette Frau am Empfang uns nicht zuvor gesagt, dass die Türen zu den Zimmern automatisch verschließen. Dementsprechend erfuhren wir es erst, als ich mich aus meinem ausgesperrt habe. Jedes deutsche Hotel würde natürlich einen Ersatzschlüssel haben, aber nicht in Tansania. Doch der Watchman, der Mann für alles anscheinend, kletterte schnurstracks an der Fassade herum und öffnete mir die Tür. Wenn das kein Service ist, wobei es auch irgendwie befremdlich ist zu sehen, wie jemand einfach über die Fassade in dein Zimmer gelangen kann.

Nun rückte unsere Abreise immer näher. Jeder der sagt, die Zeit vergeht in Afrika nicht so schnell,war wohl selbst noch nicht hier. Sowohl Annika, Gabi als auch ich wollten den Brüdern bzw. Schwestern den für den Viktoriasee typischen Fisch mitbringen. Diesen besorgten wir gleich am Morgen, sodass wir diesen Einkauf hinter uns bringen konnten und keine weiteren Gedanken daran verschwenden mussten. Doch wir hatten bei den Verpackungsmethoden der Verkäufer, die den Fisch lose in eine Plastiktüte bzw. einem Karton legten, so einige Bedenken, vor allem wenn man bedenkt, dass wir auch noch nach Hause reisen mussten. Da nun die Fastenzeit vorüber war, gönnten wir uns ein schickes Abendessen mit direktem Blick auf den Viktoriasee.

An unserem letzten Tag, dem Ostersonntag, gingen wir noch einmal in das Sukuma Village Museum, um dort in den Gottesdienst zu gehen. Durch Erzählungen war uns bekannt, dass dort die Kultur der Sukuma in die christlichen Gottesdienste integriert wird. Das hatte natürlich unser Interesse geweckt. Wie uns unser Guide am Dienstag zuvor versichert hatte, kamen wir überpünktlich an der besagten Kirche in traditioneller Hüttenform der Sukuma an. Doch alles schien uns nicht ganz so geheuer. Die Leute saßen schon bis nach draußen und von innen her hörten wir bereits den Priester predigen. Nicht dass wir die letzten waren, aber komisch war es allemal, vor allem wenn man sich die tansanische „Pünktlichkeit“ vor Augen führt. Es dauerte nicht lange bis wir herausgefunden hatten, dass die Messe nicht wie uns versichert um 9Uhr begann sondern bereits eine Stunde früher um 8Uhr begonnen hatte. Das war ganz schön ernüchternd. Trotz alle dem war der Gottesdienst ganz schön mit Gesängen in Kisukuma gestaltet. Der Besuch hatte sich also doch gelohnt. Es war bereits Mittag als wir wieder in unserem kleinen Hotel zurück waren. Wir hatten es gerade betreten, da setzte auch schon ein starker Regenschauer ein. Rausgehen war dadurch nicht möglich, weshalb wir den restlichen Tag gemütlich in unseren Zimmerchen bei einer Runde Phase 10 ausklingen ließen.

Tschüss Mwanza

Am nächsten Morgen mussten wir bereits früh raus. Besonders für mich war er hektisch sondergleichen, da mein Wecker sich nicht meldete und ich zufällig 3Minuten vor unserer geplanten Abfahrt am Hotel aufwachte. Ich glaube ich habe da meinen absoluten Rekord in Sachen Zähne putzen, letzte Sachen packen und umziehen aufgestellt. Sicher ging es mit einem Taxi, das permanent die Warnblinklichtanlage angeschaltet hatte und ständig hupte, zum Busbahnhof, wo wir mit einer knappen Stunde Verspätung auch endlich losfuhren.

Da die Ferien noch nicht vorbei waren, wollte ich die Gelegenheit gleich nutzen und die Einsatzstelle von Annika und Gabi besuchen. Wir fürchteten noch einmal in Arusha schlafen zu müssen, was wir nicht gerade willkommen hießen. Mit Hilfe des Busfahrers stiegen wir sehr spontan bereits in Makuyuni in ein Daladala um, um einen Umweg zu vermeiden. Eingequetscht zwischen Massai-Männern, unseren Rucksäcken auf dem Dach geladen und drei Ziegen in dem gefühlt winzigen Kofferraum ging es nach Karatu, wo wir noch vor Einbruch der Dunkelheit ankamen. Von dort aus holten uns die Brüder ab. Ich war schon richtig gespannt, wie denn so eine Kaffee-Farm aussehen mag. Doch leider konnte ich an diesem Abend nicht mehr besonders viel sehen. Die Brüder sind wirklich sehr lieb und haben mich auch sofort herzlich willkommen geheißen. Auf Anhieb fühlte ich mich wohl. Ermüdet von der stundenlangen Reise fielen wir nach dem Abendessen todmüde ins Bett.

Ich verbrachte weitere drei Tage meiner Ferien zusammen mit Annika und Gabi in der TEC Farm, welche direkt an der Ngorogoro Kraterwand liegt. In Mitten der Kaffee-Plantagegenossen wir so die letzten Urlaubstage und schwärmten noch von unseren Erlebnissen in Mwanza.

Doch am Donnerstag war es Zeit nach Hause zu gehen. So machte ich mich am Vormittag auf die Stundenlange Reise zurück. Es war sehr anstrengend, doch immerhin haben wir während unserer Fahrt eine Giraffe nicht einmal fünf Meter von unserem „Noah“ getroffen. Zurück im Grail Kisekibaha wurde ich wieder herzlich begrüßt. Es ist schön zu sehen wie sehr man doch mittlerweile ein fester Bestandteil dieser Gemeinschaft geworden ist und die Menschen hier einen wirklich vermisst haben. So begann nun also wieder der Alltag Zuhause im Kisekibaha.

 

 

Soko la Maasai Mgagao

Freitag, 20.03.2015

Direkt nach der Schule machte ich mich zusammen mit Schwester Feliciana und Theresa, einer ehemaligen Freiwilligen meiner Einsatzstelle, auf den Weg nach Mgagao. Jeden Freitag findet dort ein Massai-Markt statt, an dem man die Gelegenheit hat Kühe, Ziegen, Kleidung, Schmuck und noch vieles mehr, was für die Massai typisch ist, zu ersteigern.

Das Markttreiben war bereits im vollem Gange als wir ankamen.

Karibu Mgagao

Schwester Feliciana hatte eine Verabredung mit einigen Eltern von unseren Massai-Mädchen, daher stürzten Theresa und ich uns ins Markttreiben zu einem Rundgang:

reges Treiben        

Leider wurden wir von einem starken Regenschauer überrascht. Die „Große Regenzeit“ lässt grüßen. Für die einen Freud, für die andern Leid. Die Massai freuten sich riesig über den eingetroffenen Regen, doch für uns hieß es zurück nach Hause zu gehen. Das Auto mit welchem wir mitfuhren war leider mit 11Personen und 3Ziegen im Kofferraum deutlich überbesetzt. Kurzer Hand sind wir nach einer Weile ausgestiegen und warteten – der Regen hatte zum Glück eine Pause eingelegt - am Straßenrand bis das Auto zurückkam, was es tatsächlich auch tat.

 

Mein erster Besuch bei den Massai

Samstag, 21.02.2015

Endlich!Mein erster Besuch in einem Massai-Dorf. Gegen 11Uhr machten wir uns auf den Weg. Von Lembeni nach Mgagao fuhren wir mit dem Daladala und von dort aus ging es mit dem Pikipiki weiter. Wir fuhren auf kleinen Trampelpfaden geschickt um das verdorrte Gebüsch. Immer weiter und weiter fuhren wir, doch weit und breit konnte ich kein Dorf geschweige denn Menschen sehen. Zu meiner Vorfreude gesellte sich nun etwas Enttäuschung. Wo ist nur das Dorf in welches wir wollten? Das Pikipiki hielt an einem relativ stattlichen Haus. Es passte so gar nicht in den „Busch“. Wie ich auf einem Schild daran lesen konnte, handelt es sich hierbei um einen Massai-Kindergarten der Grail-Schwestern. Nicht allzu weit von diesem Kindergarten befand sich abermals eine große… Hütte, das beschreibt es wohl am besten. Sie ist relativ groß, besteht jedoch nur aus Lehm und Stöcken, so wie man sich ein typisches Haus im Busch eben vorstellt. Teilweise ist es auch schon etwas verfallen, sodass man ins Innere sehen kann. Während wir auf dieses Haus, welches die Kirche von Endevesi, dem Dorf, welches wir besuchten, ist, zutraten, versuchte Hyasinta, eine junge Grail-Schwester, die mit den Massai-Frauen zusammenarbeitet, eine eben jener Massai-Frauen des Dorfes zu erreichen. Es trat ein Mann aus der Hütte. Tatsächlich war es ein traditionell gekleideter Massai, doch er entsprach gar nicht der typischen Vorstellung von sehr schlanken, athletischen und hochgewachsenen Männern. Er grüßte uns kurz per Handschlag, ehe „Martha Peneti“, die Kindergärtnerin des Massai-Kindergartens und ebenfalls eine Massai-Frau, auf uns zukam. Es schien als hätte sie auf uns gewartet. Sie führte uns in die Kirche, in welcher munter weiter gesungen wurde. Wir wollten nicht allzu sehr auffallen, denn der Gottesdienst war schon seit mehreren Stunden im vollen Gange, doch das wollte Hyasintha mir nicht zumuten, denn die evangelischen Gottesdienste oder eher „service“, wie es die Schwestern nennen, werden ausschließlich auf Kimassai, der Stammessprache der Massai, gehalten wird. Ja, die meisten Massai sind evangelisch. Obwohl wir uns direkt neben der Tür in die letzte Reihe setzen, dauerte es nicht lange bis alle Köpfe auf uns gerichtet waren und wir von Kopf bis Fuß gemustert wurden. Ich war total verunsichert, da ich nicht genau wusste, wiedie Massai, die fernab des Tourismus leben, auf mich reagieren würden.

Die ersten Eindrücke erschlugen mich förmlich. Noch nie zuvor hatte ich so viele Massai auf einmal in ihren farbenfrohen Gewändern gesehen. Doch dazu muss man sagen, dass fast nur Frauen und nur wenige Männer, wovon die meisten davon wohl in meinem Alter sein mussten, anwesend waren. Auch die meisten Frauen waren nicht älter, sondern eher noch jünger als ich. Für mich war es sehr schockierend, dass diese jungen Mädchen, die oftmals selbst noch Kinder sind, mit ihren eigenen Kindern in den Armen oder auf dem Schoß dasaßen.

Martha gesellte sich zu uns und übersetze immer wieder, was geredet wurde und vor allem was gerade vor sich ging. Immer wieder erhob sich eine Menschenmenge, stellte sich um den Altar herum und es wurde verschwörerisch gesprochen. Dabei handelte es sich laut Martha um Gebete, die, zum Beispiel, für die Kranken in ihrem Dorf gebetet werden. Gegen Ende erhoben sich dann alle. Für die Massai stand nun das wohl wichtigste Gebet an: Das Regengebet. Hierzu wendeten sie sich allen vier Himmelsrichtungen zu und begannen mit erhobenen Händen zu beten. Für mich war es sehr befremdlich, doch auch wir erhoben uns und taten es ihnen gleich, wobei wir jedoch auf das Sprechen verzichteten.

Da jeder interessiert war, wer denn die Gäste heute seien, mussten wir – viel mehr ich - uns vorstellen. Verunsichert reichte ich den Ältesten, welchevorne im Altarbereich saßen, zum Gruß die Hand. Unsere Vorstellung, die sich im Wesentlichen auf meinen Namen, meine Herkunft und meine Arbeit hier in Tansania beschränkte, reichte schon aus, um sie zum Raunen und Klatschen zu bewegen. So schlossen wir den Gottesdienst gemeinsam ab.

Die Dorf- und Kirchenältesten gingen nach draußen, worauf alle ihnen folgten. Anschließend stellten sie sich in einer Reihe auf, sodass sie jeder grüßen konnte und sich ebenfalls dazu stellte. Es erinnerte mich an die „Gute-Nacht-Schnecke“ während unserer Interkulturationswoche zu Beginn unseres Freiwilligendienstes. Hyasinta ging vor, um mir zu zeigen, was ich zu tun habe, denn bei Massai-Männern tritt man lieber nicht in ein Fettnäpfchen. Daher lässt man lieber andere die traditionelle Begrüßung „vormachen“. Hat man eine ältere Person vor sich, so neigt man den Kopf etwas nach unten und grüßt mit „papa supai“(→ Männer) oder „mama takwenja“(→ Frauen). Daraufhin legt der/die Ältere seine/ihre Hand auf den Kopf und antwortet „Epa“(dt. „gut“). Ist man selbst jedoch der Ältere, so verläuft das „Ritual“ entsprechend andersherum, ganz den Traditionen entsprechend. Viele jedoch gaben mir auch ganz einfach die Hand. Nachdem nun alle in Reih‘ und Glied aufgestellt waren, zog auch der Chor feierlich aus der Kirche aus.

Auszug des Chors   

Nachdem so der „offizielle“ Teil beendet war, löste sich die Versammlung im Großen und Ganzen auf. Nur wenige verloren sich in lebhaften Gesprächen. Wir selbst unterhielten uns ein wenig mit den Müttern einiger unserer Mädchen, bevor wir uns auf zu dem „Boma“ von Marthas Familie machten, zusammen mit zwei weiteren Frauen ihres Mannes, von denen eine nicht älter als ich war. Bei einem „Boma“ handelt es sich um eine kleine, ringförmig angelegte Häusergruppe. Eine solche Häusergruppe entspricht einer Familie, in denen ein Massai-Mann zusammen mit seinen beliebig vielen Frauen und Kindern wohnt. Jede Frau wohnt mit ihren Kindern in einem dieser, von ihr selbst gebauten Haus. Der Mann besitzt seine eigenen vier Wände, die ebenfalls von seinen Frauen aufgebaut wurden. Eine Massai-Frau beginnt bereits mit ca. 8 Jahren ihr erstes Heim zu erbauen. Jedoch ist dies meistens noch nicht sehr witterungsresistent, weshalb sie nach Fertigstellung des ersten sofort mit einem neuen Haus beginnen dürfen. Das Herzstück eines jeden Bomas und wohl auch der Hort des wertvollsten Besitzes aller Massai-Männer ist die Kuhweide im Zentrum des Hütten-Kreises, in denen die Rinder nachts untergebracht sind.

Auf dem Weg zum besagten Nicht mehr weit und wir sind da Angekommen im Boma Zusammen mit Martha vor dem

Als wir in Marthas Boma ankamen, begrüßten wir erst einmal ihren Mann, der auf einem Stuhl im Schatten saß und den Sonntagmittag genoss, während seine Söhne die Rinder irgendwo in der Ferne hüten. Wir grüßten ihn freundlich, doch der Besuch schien ihn nicht zu interessieren und er erhob sich nicht einmal von seinem Stuhl. So gingen wir auch weiter in das Haus von Martha und ihren Kindern, nur eine einfache Lehmhütte. Kaum saßen wir, reichte sie uns sofort eine Tasse frischer Milch. Anfangs war ich etwas skeptisch, denn ich wollte ja nicht schon wieder Typhus bekommen, doch Hyasinta beruhigte mich, denn die Massai kochen ihre Milch generell ab und fügen auch noch Kräuter-Medizin hinzu um derartigen Krankheiten vorzubeugen. Während wir die Milch tranken, erzählte uns Martha einiges über das Leben bei den Massai und über ihre Familie. In ihrem Boma leben auch Rebeka und Kristina, zwei Mädchen die mit mir im Kisekibaha wohnen. Sie sind zwar Töchter unterschiedlicher Mütter, habenjedoch den gleichen Vater.

Es war richtig interessant was sie uns so erzählte. Beispielsweise ist der Grund dafür, dass wir kaum Männer im Gottesdienst sehen konnten, schlechthin, dass diese einfach kein Interesse am Glauben haben und sich viel lieber zu Hause ausruhen, obwohl meistens die Jüngeren mit den Viehherden weit weg sind, vor allem in der Trockenzeit. Sie wandern sogar bis nach Kenia um dort ihre Tiere weiden zu lassen, wobeisie leider oft von organisierten Banden überfallen und ihrer Rinder beraubt werden, das schlimmste was einem Massai passieren kann, denn Rinder sind alles für sie, für viele sogar wertvoller als Frau(en) und Kinder.

Nach einer Weile gesellte sich auch Kristinas Mutter mit Tee und frischer Milch dazu. Da es in dem kleinen Häuschen irgendwann zu heiß wurde, machten wir es Marthas Mann gleich und setzten uns ebenfalls in den Schatten eines Baumes. Es war richtig idyllisch den Sonntagnachmittag fernab von aller Zivilisation zu verbringen, doch bin ich mir nicht sicher, ob ich dort wirklich ein Leben lang vor allem unter diesen patriarchischen Umständen, wie es bei den Massai typisch ist, leben könnte. Anscheinend gibt es ja genügend Europäerinnen denen es gefällt à la „weiße Massai“ zu wohnen. Doch ich kann mir nur schwer vorstellen, dass eine die westlichen Standards, Luxus und Gesellschaftssysteme gewohnte Frau ihr ganzes Leben diesen Stil akzeptieren kann.

Schwester Hyasinta, Martha, Kristinas Mutter und ihre Kinder Beim Pumziken

Immer mehr Frauen gesellten sich, zusammen mit ihren Kindern, zu uns. Ich glaube, dieser Massai hat mindestens fünf Frauen, wobei es sicher auch mehr sein könnten. Während wir so da saßen und „pumzikten“ zeigte uns Martha einige Wurzeln, Äste und Pulver, mit denen sie traditionelle Medizin herstellt. Hat man ein Wehwehchen, so geht man einfach in die Steppe und sucht sich seine Medizin, wie es die Tiere und auch die Massai seit Generationen tun. Anscheinend kann man jede Pflanze, die dort draußen wächst, gegen irgendeine Beschwerden verwenden, auch wenn es schwer vorstellbar ist.

  Ein Geschenk zum Abschied

Die Zeit verstrich und als wir aufbrechen wollten, brachte eine der Frauen für jede von uns zwei selbstgemachte Ketten. Martha legte mir sofort die zwei zueinanderpassenden Fußkettchen an. Ich war überwältigt von der Gastfreundschaft und dieser Aufmerksamkeit. Bevor wir aufbrachen, wollten wir uns noch von Marthas Mann verabschieden, doch es war gar nicht so leicht ihn zu finden. Nun lag er in einem Erdloch auch wieder im Schatten. Bei diesem Anblick musste man sich wirklich ein Schmunzeln unterdrücken. Anschließend machten wir uns auf den Weg zu einer Stelle im Busch, an der uns auch ein Pikipiki finden konnte, während wir allerhand Pflanzen und Harze probierten, die Martha uns zeigte. So ging mein Sonntag in Endevesi zu Ende.

  Kwa heri!

"Franzi und die Massai-Piraten" - Fasnacht im Kisekibaha

Samstag, 31.01.2015

Wenn es hier eben kein Fastnacht gibt, so bringen wir es doch ganz einfach nach Tansania oder genauer gesagt das Kisekibaha.

Not macht bekanntlich erfinderisch, daher haben wir kurzer Hand unsere "Vitenge" zu einem Kopftuch umfunktioniert und uns bunt bemahlt. Das ist das Ergebnis:

Bunte Augenklappen für alle  

Auch Kristina darf nicht fehlen Die kleine Massai-Piratin Kristina :)

Maghret - Fehlt noch irgendetwas?  Monika 

Elisifa  Wer versteckt sich denn da? 

die gefährliche Honorata   Und das ist meine Rasselbande Und zum Schluss gibt es noch eine kleine Stärkung

Zu Besuch bei unserer Bibi Honorata

Sonntag, 28.12.2014

Bereits vor Weihnachten hatte mich unsere älteste Schwester Honorata eingeladen, ihre Familie in Kilomeni, einem Dorf auf den Bergen unweit des Klosters, zu besuchen. Natürlich freute ich mich riesig und fühlte mich auch gewissermaßen geehrt. Mit reichlicher Verspätung, wie es in Afrika typisch ist, ging es mittags endlich zusammen mit Schwester Honorata, unserem Fahrer und Nayesu , die hier ebenfalls im Kisekibaha wohnt jedoch noch keine Schwester ist, los. Circa eine halbe Stunde ging es die holprigen Sandstraßen, die man lieber zu Fuß läuft, die Berge hinauf. Bereits auf dem Weg konnte man das gesamte Kisekibaha, mein zweites Zuhause, überblicken.

Von hier oben liegt uns unsere Heimat zu Füßen  Von hier stammt unsere liebe Bibi

Endlich angekommen, schmerzten einem alle Glieder von der Fahrt. Nach einem kurzen Fußmarsch standen wir auch schon vor den Häusern, in denen Honoratas Schwester, ihr Bruder und sonstige Verwandte wohnten. Ihre Schwester durfte ich bereits in meiner Einsatzstelle einmal kennenlernen. Wir wurden herzlichst empfangen und schon nach kurzer Zeit wurde das Mittagessen bereitet. Zu Beginn war ich sehr skeptisch, denn besonders Fleisch ist meistens nicht sehr schmackhaft zubereitet, zumindest nicht für meinen Gaumen. Doch wir hatten Glück: es gab Reis, Hühnchen und zweierlei Soßen, alles hervorragend schmeckend.

In absehbarer Zeit soll ein Gottesdienst hier in Kilomeni für die verstorbene Mutter von Honorata stattfinden, daher ist einiges noch vorzubereiten und zu besprechen. Nayesu und ich wollten bei den Besprechungen nicht stören und gingen daher nach draußen um das angenehme Klima und die Sonne hier in den Bergen zu genießen.

  Nayesu und ich

Es dauerte nicht lange bis alle Kinder der Familie da waren und natürlich mit uns spielen wollten. Ich bewundere ja immer noch die Kinder hier in Tansania, die in Sachen Spiele erfinden deutlich kreativer als deutsche Kinder sind. Mit einem Stock und einem Eimerdeckel rannten sie den Berg hoch und runter. Es war eine wahre Freude den Kindern zuzusehen, wie sie sich verausgabten. Auf einmal schrie ein Kind auf und wir erschraken, weil wir glaubten es sei etwas passiert, doch als wir nachsahen, hatte das Kind nur ein Chamäleon gefunden. Ich glaube, das Chamäleon hielt sich für einen Grashalm, da es grün gefärbt war und wie die Gräser dru herum wippte. Fortan hatte das arme Tier keine ruhige Minute mehr, denn die Kinder ärgerten es leidenschaftlich, sodass es sich wahrscheinlich nicht nur aus Gründen der Tarnung sondern wohl auch aus Ärger von grün zu gelb färbte. Erst als Schwester Honorata zu uns stieß, da wir uns auf den Rückweg machen mussten um noch rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit zu Hause anzukommen, verloren sie das Interesse an dem Chamäleon und jagten fortan ihren Eimerdeckeln wieder hinterher.

 

 

Die Kinder begleiteten uns noch ein wenig auf der Lade ehe wir von dem angenehm kühlen Kilomeni in das stickige und heiße Kisekibaha zurückkamen.

 

Weihnachten in Tansania

Samstag, 27.12.2014

Von drauß vom Walde komm' ich her;

Ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!

Allüberall auf den Tannenspitzen

Sah ich goldene Lichtlein sitzen 

Dies alles durfte ich dieses Weihnachten hier in Tansania vermissen. In den Adventswochen erinnerte nichts als ein dürftiger Adventskranz in der Kirche an das bevorstehende Fest. Alles war äußerst ungewohnt. Jeder ging bis zum Heiligabend seiner üblichen Arbeit nach (ist hier genauso, viele müssen an Heilig Abend auch arbeiten) und auch das Klima war nahezu unerträglich heiß. Ich vermisste den Schnee, der hier leider nur auf dem Kilimanjaro zu finden ist, die weihnachtliche Dekoration zuhause, auf den Straßen und in den Geschäften, das Plätzchenbacken, aber auch das gemütliche Zusammensitzen mit der Familie im beheizten Wohnzimmer während Väterchen Frost sein Unwesen treibt und eben all die anderen Dinge die Weihnachten überhaupt zu einem richtigen Weihnachten machen.

Bereits seit dem 5.Dezember hatten die großen, fünfwöchigen „Sommerferien“, was ebenso sehr ungewohnt für mich war, begonnen. Auch die Massai-Mädchen waren nach Hause ausgeflogen. Es war alles sehr ruhig und in gewisser Weise auch langweilig. Für meine Schüler waren die Ferien wohl eher weniger langweilig, denn sie durften trotzdem nahezu jeden Tag in der Schule sowohl zum Putzen als auch zur Pflegen des Gartens erscheinen. Trotz der Ferien waren weder faulenzen noch ausschlafen für mich im Programm: Während meiner Ferien half ich in der Küche meiner Einsatzstelle. Zusätzlich gab ich den Geschwistern Sophia und Jemsi ein wenig Nachhilfe. Das Schicksal meinte es nicht gut mit ihnen. Ihre Eltern, beide Alkoholiker, hatten die beiden bei ihrer Großmutter abgesetzt und waren verschwunden. Bis heute verliert sich jede Spur von ihnen im Sand. Die Großmutter wie auch der Rest der Familie sind so arm, dass sie Sophia und Jemsi niemals einen Schulbesuch ermöglichen hätte können. Schwester Feliciana, die den Kindergarten leitet, nahm sich der beiden an und suchte nach Sponsoren, die ihnen ermöglichen in die Medium School zu gehen.

Jeden Donnerstag begleite ich Akwilina, eine junge Schwester, zum Markt nach Mwanga, um auch etwas anderes zu sehen als das Kisekibaha. So verging die vorweihnachtliche Zeit im Fluge und nichts erinnerte mich wirklich an eine besinnliche Weihnachtszeit. Jeder verblieb vielmehr in seinem gewohnten Arbeits-Trott.

Der erste vorweihnachtliche Bote erlangte mich dann doch am 22.Dezember durch ein Päckchen aus Deutschland. Weihnachten mit Schokolade, einer kleinen Krippe und einem Adventskalender. Auch wenn es erst spät ankam war die Freude trotzdem groß. Nachdem mein Zimmer nun zumindest etwas weihnachtlich geschmückt war, verspürte man erste Funken von Weihnachten. Endlich.

Trotz alledem glaubte ich jedoch, dassWeihnachten in Tansania nicht wirklich ein Highlight werden wird, weshalb ich beschlossen hatte für die Festtage Marmorkuchen zu backen. Das war nicht einmal so leicht, denn Rührmaschinen gibt es hier nicht. Zusammen mit Desterata und Klementina, beide „Novizinnen“ in meinem Alter, begannen wir die zweistündige Küchenschlacht, wobei wirjede Menge Spaß hatten.

 Unser Marmorkuchen

Doch mit der Annahme, dass Weihnachten hier nicht besonders gefeiert wird, hatte ich mich getäuscht.

Bereits am frühen Morgen des 24. Dezembers waren die Vorbereitungen auf Hochtouren. Die Kirche sowie der Speiseraum wurden jeweils mit einer Krippe, die äußerst kitschig mit Girlanden, die eher zur Fastnacht gepasst hätten und bunten Blinklichtern dekoriert wurden, „verschönert“. In der Küche brach hingegen Chaos aus. Glücklicherweise war pünktlich zum Weihnachtsfest der Strom, den wir über eine Woche am Stück missen mussten, zurückgekehrt, wasalles deutlich erleichterte. Die einen bereiteten Mandazi“ (ein landestypisches Gebäck), die anderen unser Mittagessen und wieder andere Chapati“ und einige anderer tansanischen Spezialitäten zu. So war es bis zum späten Abend hektisch in dem kleinen Grail Kisekibaha.

Um 22 Uhr fand dann die Christmette in der Outstation statt. Natürlich war ich da schon richtig müde, doch Weihnachten ohne eine Christmette ist eben kein richtiges Weihnachten. So dachte wohl nicht jede der Schwestern. Nur wenige der Schwestern gingen mit mir zur Messe, was ich sehr komisch fand. Der Gottesdienst (ansonsten zu oft Messe in schneller Abfolge) ging zum Glück nicht wie befürchtet einen Ewigkeit, sondern „nur“ eineinhalb Stunden, in der sich wohl jeder einmal ein kurzes Schläfchen gönnte. Doch nach dem Gottesdienst ging nicht jeder sofort ins Bett, sondern es wurde erst einmal bis spät in die Nacht getanzt, Soda getrunken und Mandazi verspeist.

Im Gegensatz zu Heiligabend ist der erste Weihnachtsfeiertag für die Tansanier von größerer Bedeutung. Wie auch aus Deutschland gewohnt beginnt der erste Weihnachtsfeiertag mit dem Besuch der Messe nach einem ausgiebigen Frühstück. Es war komisch, denn bereits seit dem Vortag war das Tor zu unserem Gelände verschlossen. Dies hinderte uns dann auch auf normale Art und Weise hineinzukommen, weshalb wir unsere tollkühnen Kletterkünste auspacken mussten. Erst nach mehrmaligem Nachfragen erzählten mir die Schwestern, dass unsere Gegend vor allem über die Weihnachtstage nicht sehr sicher vor Einbrüchen ist, weshalb die Tore verriegelt werden müssen. Es war ein komisches Gefühl für mich, so etwas zu hören, denn eigentlich fühlte ich mich immer sicher hier, was man hier zulande eigentlich nicht immer ist. Den restlichen Tag über bis zum Abendessen ruhten wir uns von Heiligabend aus, was bitter nötig war.

Zum Abendessen wurde ein üppiges Buffet aufgetischt. Doch damit war es nicht getan. Zu meinem Marmorkuchen gab es auch noch Zitronenkuchen, Mandazi sowie Erdnüsse und Unmengen an Soda. Heute war auch der Tag der Bescherung. Alle Geschenke waren um die Krippe gelegt und wurden nun auch verteilt. In Tansania fallen die Weihnachtsgeschenke nicht so üppig aus, wie man es wohl von zu Hause gewohnt ist. Hier wird das verschenkt, wenn überhaupt, was nützlich ist. So gab es für jede Schwester mit Ausnahme der Oberinnen Zahnpasta,in buntem Glitter-Papier eingepackt. Für mich gab es etwas genauso nützliches, nämlich einen giftgrünen Unterrock. In den Augen der Schwestern sollte man immer einen tragen, weil man ja durch jeden erdenklichen Stoff durchsieht, was ich jedoch oftmals bezweifle. Anschließend wurden ausgelassen traditionelle Stammestänze z.B. der Pare, Shagga, Massai, Sukuma,... getanzt. So ging es bis in die Nacht hinein.

Unser Christkind Akwilina trägt ganz schön schwer Für jeden ist etwas dabei :)

Und am nächsten Morgen war es auch wieder nicht möglich auszuschlafen. Wie jeden Tag musste man pünktlich um 6 Uhr aus den Federn sein, egal ob man nur wenige Stunden an Schlaf hat oder nicht. Nichts desto trotz ging es zuerst wieder in den Gottesdienst. Am „Boxing Day“ war es noch viel ruhiger, denn alle Schwestern waren ausgeflogen um ihre Weihnachtsbesuche bei der Familie, Mitschwestern oder Bekannten zu erledigen. Für mich persönlich war es wieder ein Tag der Ruhe, jedenfalls am Vormittag. Am Abend sollte wieder gefeiert werden, daher konnte man jede Hilfe in der Küche gut gebrauchen. Wie auch am Vorabend wurde auf dieselbe Art und Weise gefeiert.

Alles in allem war mein tansanisches Weihnachten etwas Besonderes, auch wenn es sich nicht sonderlich von anderen Feierlichkeiten in Tansania unterschied. Natürlich fehlten einem die Familie und das ganze Drumherum ein wenig, aber die Erfahrung war es allemal Wert um das zu schätzen, was man zuhause für selbstverständlich empfindet.

Vor unserer

 

Es ist geschafft....Ferien!

Freitag, 05.12.2014

 

Wie schnell doch die Zeit vergeht. Schon ist das Schuljahr zu Ende.

Bis zum letzten Tag haben wir Examen geschrieben bzw. korrigiert und jede Menge Zeugnisse geschrieben. Jetzt ist es endlich geschafft! Nun können die wohlverdienten "Sommer"-Ferien kommen!

         Meine kleine Rasselbande...oder viel mehr was davon am letzten Schultag übrig blieb :)  Da schaut man einmal weg :)

 

Goodbye Kessy and Makelele

Mittwoch, 03.12.2014

Heute fand die Verabschiedung von unseren Rektorin Kessy und unserem stellvertretenden Rektor Makelele statt. Das musste natürlich gebührend gefeiert werden.

Als ich am Morgen in die Schule kam, wusste ich nichts von dem geplanten Fest.

Das änderte sich schnell, denn alle Lehrer berichteten mir aufgeregt, was sie denn alles geplant hatten. Stolz zeigten sie mir eine Ziege, die auf dem Schulgelände graste, und meinten, dass sie diese zur Feier des Tages schlachten wollen. So wird also eine Schule einfach einmal kurzer Hand in einen Schlachthof verwandelt. Tansania – das Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Dieses Spektakel wollte ich mir aber nicht ansehen und so machte ich mich auf den Rückweg. Ich musste ja den Schwestern Bescheid geben. Nachdem ich bei diesen einige Zeit in der Küche geholfen hatte, ging ich zurück zur Schule.

Da es gelegentlich zu einem kurzen Regenschauer kam, wurde in einem Klassenzimmer ein Lagerfeuer angezündet, über dem nun ein „Eintopf“ brodelte. Was es genau war, wusste ich nicht und wollte es, ehrlich gesagt, auch gar nicht so ganz genau wissen.

  Beim Kochen über unserem kleinen Lagerfeuer  Die wohl beste Kollegin

Es gab nicht mehr viel vorzubereiten, weshalb ich bei der Dekoration half. Währenddessen bekamen alle Beteiligten ihre erste Stärkung, auf die ich gerne verzichtet hätte. Schlachtet ein Tansanier ein Tier, so wird es auch komplett verwertet. Voller Stolz setzten mir meine Kollegen eine gelbliche Brühe mit zahlreichen Innereien vor. Appetitlich sieht anders aus und meinem Magen gefiel der Anblick auch nicht sonderlich, er begann noch vor der ersten Verköstigung zu rebellieren. Doch eine solche Essenseinladung kann man hier nicht ausschlagen, weshalb ich gezwungenermaßen zumindest ein wenig probierte, wobei es auch blieb.

Es grauste mir als meine Kollegen es genüsslichst aßen. Sie verstanden nicht, dass ich nur so dezent probierte und wollten mir noch mehr aufdrängen. Ich war froh als endlich unsere Rektorin zusammen mit ihrem Sohn sowie Makelele und zahlreichen wahrscheinlich hochrangigen Herren auftauchten und das eigentliche Festmahl beginnen konnte. Es gab traditionell tansanisches Essen: gekochtes Ziegenfleisch, Kochbananen, Chipsi und rohes Gemüse. Nachdem sich jeder von dem Buffet reichlich genommen hatte, machten wir es uns in einem der Klassenräume gemütlich. Mir war es richtig unangenehm, denn die Lehrerinnen und Lehrer ließen sich von den Schülern redlich bedienen. Auch bei solchen „Kleinigkeiten“ bin ich schon froh, dass ich nicht hier zur Schule gehen musste, denn in meinen Augen hat so etwas eher weniger mit Respekt, sondern viel mehr mit Bequemlichkeit der Lehrerschaft zu tun. Doch damit muss ich mich wohl arrangieren, wie es bei so einigen Dingen hier der Fall ist.

Nach dem Essen ging dann die eigentliche Abschiedsfeier los. Zahlreiche, ewig andauernde Reden wurden geschwungen, Geschenke übergeben und einige Schüler führten traditionelle Tänze der Mpare, dem Stamm der hier beheimatet ist, vor.

Mwalimu Ester übergibt die Geschenke

Bis weit in den Nachmittag wurde gefeiert. Zur Krönung des Tages wurde ein traditionelles Getränk, ebenfalls der Mpare, ausgeschenkt. Es wurde mir als das „Bier der Mpare“ vorgestellt, doch bis auf den Alkohol hat es nicht viel mit einem europäischen oder deutschen Bier gemein. Es ist sehr bitter und besteht aus Zuckerrohr und Aloe Vera. Das rege Treiben in unserer Schule wurde von einem ausgiebigen Regenschauer beendet, was natürlich als gutes Omen für das zukünftige Rentnerleben ausgelegt wurde. Werden wir in ein paar Jahren ja sehen.

Zusammen mit einigen Schülern machte ich mich auf den Heimweg. Es war sehr makaber, denn eine Schülerin hielt währenddessen äußerst stolz das Fell der Ziege, an dem auch noch die Hufe hängten, in den Händen. Auch solche Dinge werde ich wohl zu Hause in Deutschland nicht wieder sehen, geschweige denn vermissen.

 

Mein Schulanfang

Freitag, 07.11.2014

Am 20.10.2014 konnte ich endlich beginnen zu unterrichten. Jeden morgen muss ich ca. 20min zur Schule laufen, wobei mir oft junge, betrunkene Männer entgegenkommen. Eine Folge der Armut und der schlechten Arbeitslage für Jugendliche in Tansania, die im Alkohol ihre letzte Chance zu sehen meinen. Begleitet werde ich stets von den Massai-Mädchen des „Chegechea“ (dt. „Kindergarten“) und natürlich von vielen anderen Schülerinnen und Schüler. Es ist wirklich faszinierend mit wie viel Freude die Kinder hier in die Schule gehen und oftmals ist ihnen dafür kein Weg zu weit.

Mein SchulwegAuf dem Weg zur Schule

Die Mehrzahl der Schülerinnen und Schüler hat einen Schulweg von über einer Stunde, doch es macht ihnen gar nichts aus. Während dem Laufen wird freudig „Waka Waka“gesungen, Stöcke gesammelt und unreife Mangos von den Bäumen gepflückt und gegessen, was bei den Kindern hier eine Delikatesse zu sein scheint. Die Kinder begegnen mir stets mit dem respektvollen Gruß „Shikamoo, Mwalimu.“ (dt. „Guten Tag, Lehrerin.“) und nehmen mir sofort die Tasche ab. So unrecht es mir auch ist, hier in Tansania ist es normal, dass die Schülerinnen und Schüler dem Lehrer helfen, egal wie beladen sie auch sind.

In der Schule gibt es keinen Hausmeister oder Putzfrauen. So bleibt auch das Reinigen des Schulhofes, der Klassenzimmer und des Lehrerzimmers mit Reisig an ihnen hängen. Des weiteren ist es ihre eigene Aufgabe in der Pause Tee für die Lehrer, aber auch das Essen am Mittag für sich selbst, zu kochen.

Schüler säubern gründlich den Schulhof der „Shule ya Msingi Kisekibaha“

An der staatlichen „Shule ya Msingi Kisekibaha“ (dt. „Grundschule Kisekibaha“) unterrichten sieben Lehrer und momentan auch 6 Referendarinnen. Mich erschreckt es jeden Tag aufs Neue, dass selbst die jungen Lehrerinnen den Kindern nur mit einem Stock in der Hand gegenüber treten. Ich gehe davon aus, dass dieser auch eingesetzt wird, doch bislang habe ich es noch nicht mitbekommen, worüber ich sehr froh bin.

Morgens beginnt die Schule niemals ohne ein Assamble. Die Schülerinnen und Schüler werden dabei gezählt, was an eine Tafel geschrieben wird. Ich vergleiche diese Morgenrunde oftmals mit einer Militärparade. Ein Lehrer ruft was die Kinder zu tun haben: rechts, links, drehen und halt. Anschließend wird hochachtungsvoll die Nationalhymne „Mungu ibariki Afrika“ gesungen, wobei jeder stillzustehen hat. Ist dies beendet kann nun der Unterricht beginnen.

Schülerversammlung vor dem Unterricht

Für die ersten Wochen werde ich abwechselnd Englisch in den Klassen 1 und 2 unterrichten. Diese beiden Klassenstufen, wie auch die dritte und vierte, müssen sich ein Klassenzimmer teilen, da großer Platzmangel vorherrscht. Morgens findet der Unterricht für die 1.Klasse und am Nachmittag für die 2.Klasse statt. Nach einer Woche wird dann getauscht.Momentan ist es noch sehr beschwerlich in den unteren Klassen zu unterrichten. Zum einen habe ich nur eine halbe Stunde Zeit etwas zu erklären, wo es momentan nicht nur eine Sprachbarriere zu überwinden gibt, sondern es auch darum geht, sich Respekt zu verschaffen ohne einen Stock in der Hand. Zum anderen sind die Kinder oftmals sehr überfordert. Nicht nur dass sie in der 1.Klasse lesen, schreiben und rechnen lernen müssen, nein auch das Erlernen von Kiswahili, der Amtssprache, zu ihrer Muttersprache (z.B. Massai) wie auch Englisch, steht für sie im Lehrplan. Ich versuche mich jeden Tag sehr gut vorzubereiten und mit Bildern und vielen Spielen den Sinn für die Sprache bei den Kindern zu wecken, was bislang sehr gut bei ihnen ankommt. Wenn ich meinen Unterricht dann beendet habe, korrigiere ich die Aufgaben und helfe den anderen Lehrerinnen und Lehrern bei ihren Stunden.

Beim Unterrichten mit einer Schülerin Standard 2- Noch sind sie sehr motiviert

Doch um 10 heißt es für mich: Zeit um zu gehen. Ich muss zurück zum Chegechea um dort zu unterrichten. Fast jeden Tag laufen die Kinder mir entgegen, weil sie es kaum abwarten können zu beginnen. Hier geht es weniger autoritär zu als in der Schule zu. Die Kinder folgen jeden Tag gespannt meinem Unterricht, weshalb wir oft die Zeit vergessen und deutlich verlängern. So beende ich hier meinen Schultag.

Auch Schreiben will gelernt sein

Den Nachmittag bringe ich damit zu, wie ich bereits schon erwähnt habe, die Massai-Mädchen zu betreuen und der Schwester dort unter die Arme zu greifen. Wir spielen Spiele, arbeiten im Garten, bereiteten Unterrichtsmaterial vor oder ich kümmere mich um die kranken Mädchen. Jeder Tag vergeht in einer Blitzesschnelle, dass man sich oft fragt, wo die Zeit denn geblieben ist.

Nach ausgelassenem Toben

In den letzten Wochen haben wir große Probleme mit dem Strom. Oftmals bleibt er ganze Tage lang aus. Die Schwestern meinen es sei nicht normal. Zu Beginn war es ganz schön ungewohnt, doch man gewöhnt sich sehr schnell daran. Trotzdem lernt man es auch zu schätzen, wie gut man es doch zu Hause hat, und dass es nicht auf jedem Fleckchen der Erde typisch ist, einen solchen Luxus von non-stop Strom und fließend Wasser genießen zu können, wie es zu Hause in Deutschland der Fall ist.

Doch was ich hier bereits jeden Tag aufs Neue erfahren darf:

Es ist nicht wichtig, was du hast oder nicht hast, sondern es kommt ganz allein auf die kleinen Dinge im Leben an, die das Leben wertvoll machen, wie die Gesundheit und die Gemeinschaft.

Karibu Tansania - endlich angekommen im Land meiner Träume!

Donnerstag, 23.10.2014

Es ist Zeit für meinen ersten Rundbrief. Ich bin nun schon seit über einem Monat im Land meiner Träume – Tansania.

Meine Ankunft in Tansania:

Am 7.Oktober 2014 um 22.30Uhr ging es endlich mit der Ethiopian Airline ET 707 los. Wir alle waren sehr angespannt, denn nun begann ein neuer Lebensabschnitt, ohne Familie und Freunde, die uns zu Hause immer mit Rat und Tat zur Seite standen. Ängste, ob man sich wohl zu viel zugemutet hat und ob man 10 Monate in einem fremden Land alleine überstehen könne, kamen nun in stärkerer Form ans Tageslicht.

Über den Wolken...

Doch um Trübsal zu blasen blieb uns kaum Zeit. Direkt nach der Landung am Flughafen von Dar es Salaam mussten wir unser Visum beantragen.

Aber auch danach war die Reise noch nicht geschafft. Unser Anreiseseminar fand in Morogoro statt. Vor den Pforten des Flughafens warben zahlreiche Taxifahrer um Kunden. Bwana Roman und Mama Gloria, unsere Mentoren vor Ort, warteten dort mit zwei Kleinbussen. Mit diesen ging es auf die stundenlange Fahrt nach Morogoro. Die Fahrt selbst war einfach nur atemberaubend. Man fühlte sich, als ob man am Leben der Menschen hier jetzt schon teilhaben konnte. Dazu muss man wissen, das der Alltag einer afrikanischen Familie oder bei sehr armen Menschen überwiegend, beinahe ausschließlich im Freien stattfindet.

Hier verbrachten wir unsere erste gemeinsame Seminarwoche

Gegen Abend kamen wir erschöpft und hungrig an. Doch nach dem Essen mussten wir erst einmal unsere Moskitonetze flicken, was sich als sehr beschwerlich herausstellte, denn es nahm kein Ende.

In dieser Woche haben wir, alle 29 Freiwillige des Afrika 3+10 Programms zusammen verbracht, um den Einstieg in eine neue Kultur zu erleichtern. Nicht dass wir uns schon seit einigen Monaten auf unser Vorhaben vorbereitet hatten, doch erst einmal angekommen, beginnt man alles mit anderen Augen zu sehen. Wir haben sehr viel über unseren Freiwilligendienst, wie es für ein derartiges Seminar üblich ist, gesprochen und alle Formalitäten , wie beispielsweise das Melden bei diversen Ämtern, erledigt.

An einem Tag gingen wir als geschlossene Gruppe in die Stadt Morogoro selbst, denn wir wohnten etwas außerhalb. Bei der Fahrt dorthin haben wir gelernt: ein Daladala kann niemals voll werden. 29 Freiwillige, plus ca. zehn Betreuer und drei weitere Personen in einem für max. 16 Leute ausgelegten Daladala. Im wahrsten Sinne des Wortes kamen wir auf den Felgen daher. Nach einer kurzen Zeit sahen doch auch die Afrikaner ein: es sind zu viele in unserem Daladala. Dementsprechend konnten bald einige in ein Zweites umsteigen. Es war gut nicht alleine dort in Morogoro zu sein, denn wenn man in eine größere Stadt in Afrika kommt, fühlt man sich als Europäer sehr schnell überfordert. Tausende von Autos, Daladalas, Motorräder und Bussen fuhren kreuz und quer durch die Straßen. Überall her schallt Musik. Die Menschen drängten sich durch die Marktstände und natürlich wurde uns immer „wazungu“ (dt. Europäer(in),Weiße(r)) nachgerufen - was auf die Dauer äußerst nervig sein kann...

Doch was wäre eine Reise nach Afrika ohne eine Safari? Am darauffolgenden Tag unternahmen wir eine Safari in den Mikumi Nationalpark, um nicht nur die vielen Tiere zu bestaunen, sondern auch um unsere Mentoren genauer kennenzulernen. Es war faszinierend die unterschiedlichen Tiere von Giraffen, Antilopen, Zebras, Elefanten bis hin zu Flusspferden und natürlich noch vielen mehr einmal in freier Wildbahn – und nicht nur im Fernsehen - bei hervorragendem Wetter zu beobachten. An einem Tag wie diesen hatte es sich richtig gelohnt früh aufzustehen.

karibu Mikumi National ParkWir Freiwillige mit unseren Betreuern und Mentoren ein letztes mal vereint bei der Safari im Mikumi NationalparkTembo  Twiga na punda milia  

Auch die schönste Zeit geht einmal zu Ende. Sonntag war unser letzter gemeinsamer Tag, bevor unser Abenteuer erst richtig losgehen konnte. Wir starteten diesen Tag traditionell mit einem tansanischen Gottesdienst. Aus Erzählungen wusste ich zwar, dass es hier sehr viel musikalischer und tänzerischer zugeht, doch so toll hatte ich es mir niemals zuvor vorgestellt. Die Kirche war fast bis auf den letzten Platz besetzt, obwohl bereits zuvor schon ein Gottesdienst stattgefunden hat. Den Großteil nahm die Klosterschule der Bigwa-Sisters ein. Diese Jugendlichen gestalteten den Gottesdienst mit vielen Gesängen und natürlich Tänzen. In Afrika singt man ja nicht ohne sich zu bewegen. Daher vergingen wohl die eineinhalb Stunden wie im Fluge. Bei den letzten Vorbereitungen zu unserer Weiterreise machten sich nun auch die letzten Freiwilligen ihre ersten großen Sorgen. In unseren Köpfen schwärmten tausende von Fragen: Wie wird es wohl werden? Wie wird meine Einsatzstelle sein und vor allem, wie werden die Menschen auf mich reagieren? Doch heute weiß ich, all diese Sorgen waren um sonst...

 

Meine Ankunft im Kisekibaha:

Am Montag, dem 13.Oktober 2014 ging es dann endlich los. Wir mussten bereits früh aufstehen um zu unseren Fernbus rechtzeitig zu erreichen. Uns wurde davor geraten nichts zu essen und nichts zu trinken, denn in Afrika hält ein Fernbus nur einmal und das erst nach ca. 5 Stunden. Ein tansanischer Fernbus ist nicht mit einem deutschen Fernbus vergleichbar. Hier sitzen 5Menschen in einer Reihe eng aneinander gepfercht über Stunden. Oftmals funktioniert auch die Klimaanlage nicht wirklich, was bei der Hitze alles noch unerträglicher macht. Zudem kann man sich nie sicher sein, ob man seinen reservierten Platz auch wirklich einnehmen kann. Doppelbuchungen sind hier keine Seltenheit, wie es bei mir der Fall war.

Nach ca. fünfeinhalb Stunden war ich endlich in der Massaistadt Lembeni angekommen. Ich konnte es zu diesem Zeitpunkt kaum glauben, dass nun mein Abenteuer Tansania erst so richtig losgeht. An der Bushaltestelle empfing mich Schwester Aquilina, ich schätze sie auf keine 30Jahre, und der wohl sicherste tansanische Autofahrer der Schwestern. Wir fuhren wenige Kilometer eine Sandstraße mit mehreren metertiefen Schlaglöchern entlang. Ich als Europäerin bin das natürlich gar nicht gewohnt gewesen und presste mich dementsprechend in den Sitz.

Nun endlich sind wir im „Grail Kisekibaha“, dem Mutterhaus der in Holland gegründeten Grail Schwestern, angekommen. Das Tor öffnete sich und wir fuhren in ein wunderschön gepflegtes Anwesen. Papaya- und Orangenbäume, Avokadobäume und Christmastrees, sowie perfekt zugeschnittene Buxhecken zieren den Weg zu den Wohnhäusern. Affen, Bärenpaviane und Grüne Meerkätzchen, tanzen auf den Bäumen, die sich mittlerweile als großes Problem für unsere Früchte herrausstellen. Auch Schmetterlinge von unfassbaren Farben und Größen flattern von Blüte zu Blüte.

Karibu Grail Kisekibaha

Kaum dass das Auto zum Stehen kam, kamen auch schon alle Schwestern aus dem Speisesaal angelaufen um mich zu begrüßen. Ich war total baff, denn ich hätte nicht im Traum daran gedacht, dass ich hier auf überwiegend junge Schwestern treffen werde. Hier kann man so ziemlich jedes Alter von 12 bis 76 Jahren vorfinden. Dementsprechend geht es hier auch sehr lebendig zu.

Regelrecht ausgehungert von der langen Fahrt durfte ich mich sofort stärken. Ein wunderbares Essen war angerichtet. Sie haben extra für mich gekocht.

Hier wohne ich bis zu meiner Rückkehr  Mein kleines Reich Unser kleiner Innenhof

In einer kurzen Pause konnte ich mein Zimmer beziehen. Es ist genauso wie das Gelände sehr gepflegt und vor allem ohne Kakerlaken oder anderes Getier . Es ist zwar klein, aber mit einem Kleiderschrank, einem Nachtisch und zwei Betten, sowie einem Moskitonetz ausgestattet. Mein Zimmer ist in einem kleinen Häuschen, das ich mit einer jungen Schwester namens Odilia bewohne. Wenn man durch die Tür hineinkommt, gelangt man zuerst in unser gemeinsames Wohnzimmer, wenn man es so nennen kann. Durch einen kleinen Gang, wo sich unsere Zimmer befinden, läuft man unmittelbar auf einen kleinen Innenhof zu. Dort befinden sich zwei Duschen, eine „europäische“ (!) Toilette, sowie ein Waschbecken zum Kleiderwaschen und eine Wäscheleine. Die Wäsche wird hier natürlich von Hand gewaschen, was ich mittlerweile schon bestens beherrsche. Ich bin hier also bestens ausgestattet!

Nach der Erholungsphase war es nun auch Zeit um das Anwesen genauer zu begutachten. Neben den Wohnhäusern, wovon eines sehr im englischen Stil gestaltet ist, den Gemeinschaftsräumen und natürlich einer Kapelle, gehören auch eine kleine Farm mit Kühen, Schweinen, Ziegen, Hühnern, Katzen und Hunden dazu. Natürlich darf auch eine kleine Biogasanlage nicht fehlen. Die Schwestern hier haben sogar ihre eigenen Klassenräume für ihre Novizinnen und Schülerinnen. Zudem wird hier eine kleine Gärtnerei und ein kleiner Laden für die Bewohner des Kisekibahas betrieben.

Außerhalb des Klostergeländes befindet sich der Kindergarten des Kisekibaha, der ebenfalls von einer Grail Schwester geleitet wird. Gleichzeitig sind hier auch eine Gruppe von Massai-Mädchen untergebracht, welche ich am Nachmittag betreue. Sie leben zwar nicht in dem „Luxus“ wie die Schwestern, doch immerhin deutlich besser als zu Hause bei ihrer Familie. Sie schlafen in einem gemeinsamen Raum mit zahlreichen Stockbetten. Die Küche ist ein einziger, dunkler Raum, wo über offenem Feuer gekocht werden muss. Des weiteren befindet sich auf dem Gelände ein Waschhaus mit Waschräumen und Duschen, sowie ein separates Haus mit zwei „Unterrichtsräumen“. Auch hier kann man einen reichhaltigen Gemüse- und Obstgarten finden, welcher den Schwestern hier sehr am Herzen liegt.

Oft sieht man Kreise auf den Wangen und der Stirn der Kreise. Ein Relikt ihres Stammes. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob diese ihnen als Kleinkind eingebrannt oder eingeschnitten werden. Bei einigen von ihnen habe ich auch Narben in Form von Buchstaben auf ihren Händen und Armen gesehen. Die Bedeutung hierfür ist mir noch unbekannt, doch ich werde es im Laufe meines Freiwilligendienstes sicher noch herausfinden.

Die Massai-Mädchen essen genüsslich ihren Porridge bevor es zur Schule gehtEin Teil meiner Massaimädels

Ich habe mich hier sehr schnell eingelebt. Von Kulturschock fehlt jede Spur.Die erst Woche konnte ich noch nicht an der Schule arbeiten, doch ich versuchte mich sofort in das Klosterleben bestmöglich einzugliedern.Angefangen vom Besuch der täglichen Messe und der Preyer (täglichen Gebete). Das heißt morgens um 6.00Uhr erst einmal in den Morning-Preyer und dem anschließenden Gottesdienst. Am Mittag wird um 12.30Uhr vor dem Essen Rosenkranz gebetet. Um 18.00Uhr nach getaner Arbeit findet der Evening-Preyer, sowie die Reflection statt. Nach dem Essen um 21.30Uhr lässt man den Tag dann mit dem Night-Preyer ausklingen.

Wenn man sich hier nicht in der Kirche aufhält, so wird die Arbeit, die hier zu Hauf anfällt, erledigt: Essen kochen, Wäsche waschen, Felder und Garten bewirtschaften,... Doch niemals arbeitet nur einer. Gemeinschaft, wie ich es in Deutschland noch nie in diesem Ausmaße vorgefunden habe, ist hier die oberste Priorität. Oft wird am Abend zusammen traditionell gesungen und getanzt. Auch hier ist jeder dabei.

Donnerstag ist Markttag in Mwanga, dem nächstgrößeren Städtchen. Dorthin nahm mich auch Schwester Marghareta, unsere Oberin, mit hin. Ein afrikanischer Markt ist wirklich sehr faszinierend. Stände stehen fast kreuz und quer. Jeder schreit sich die Seele aus dem Leib um seine Ware an den Mann oder die Frau zu bringen. Es wird Obst und Gemüse, gegenüber Schmuck und Schuhe und an einem anderen Stand Klamotten verkauft. Man kann hier einfach alles finden.

Am meinem ersten Sonntag in der Einsatzstelle hatte ich die Wahl, ob ich bei den Schwestern oder in der Outstation zum Gottesdienst gehen möchte. Ich entschied mich dafür, den Gottesdienst in der Gemeinde zu besuchen um auch die Gemeinde außerhalb der Klosterzaunes einmal kennenzulernen. Die Kirche kann man nicht als solche identifizieren. Unter einem Unterstand an einem heruntergekommenem Häuschen ist der Altarbereich aufgebaut sowie mehrere Sitzbänke und Stühle aufgestellt. Eine Sakristei gibt es gar nicht. Doch die Bewohner des Kisekibahas wollen eine Kirche erbauen, dementsprechend erhielten sie Besuch an diesem besagten Sonntag. Mir wurde zwar gesagt, dass der Gottesdienst etwas länger dauert. Mit viereinhalb Stunden hatte ich dann aber doch nicht gerechnet. Nicht nur, dass ich viereinhalb Stunden fast nur Bahnhof verstanden habe, nein, ich musste auch versuchen meinen Durst durch die große Hitze zu unterdrücken. Doch die Geckos und Eidechsen, die auf dem Wellblech tanzten und damit lustige Geräusche von sich gaben, hatten mir die Zeit etwas versüßt und für angenehme Ablenkung gesorgt.